Die Schönheit der Natur wirkte auf die Seele des Mannes ein, aber mehr noch ward das Verlangen nach Besitz in ihm geweckt.

Als er aus dem Park heraustrat, und sein Blick weithin die Koppeln, Wiesen, Felder und Waldungen umfaßte, die alle zu Falsterhof gehörten, die dalagen von der Sonne umflossen wie ein herrliches Eden, als sein Blick nach dem Pachthof hinüberschweifte, und die Kuh- und Schafherden vor ihm auftauchten, das Geräusch thätiger Menschenarbeit zu ihm herüberdrang, die Wirtschaftsgebäude unter dem farbigen Laub emporstiegen, und er im Geiste an sich vorüberziehen ließ, was alles sie bargen an Getier, Getreide und sonstigem Vorrat, welch ein Leben in der Meierei war, wie weit sich die Gemüsegärten ausstreckten, und wie endlos auch noch östlich von Falsterhof das Gutsland sich dehnte, da krallte sich der Teufel der Habsucht so tief in seine Seele ein, daß sein Herz klopfte, und seine Handflächen sich feuchteten.

Es war auch alles klar in ihm. Einen Vorschlag wollte er Theonie machen, ohne Umschweife. Da er doch einmal die Maske abgeworfen hatte, war's schon weise, nun ohne Schwanken und Zaudern zu sagen, was er wünschte. Sie konnte es sich ja überlegen, seinen Vorschlag auf der Reise wägen und ihm schreiben. — Ja, so sollte es sein.

Und dann standen sie sich gegenüber. Theonie goß eben Wasser auf den Thee, als Tankred ins Gemach trat. Sie wandte das Haupt, bewegte es unbefangen, obschon es in ihrem Innern pulsierte, und sagte:

„Bitte, nimm Platz. — Willst Du vielleicht etwas von dem Graubrot abschneiden? Ich sehe, Kathrine hat es vergessen. Und Eier, die Du so liebst, fehlen ja auch. Soll ich rasch welche bestellen?“

Tankred ward aufs angenehmste berührt. Theonie ließ ihn die Vorfälle des verflossenen Tages nicht entgelten, sie legte freundlich versöhnliche Gesinnungen an den Tag.

Auch er begegnete ihr mit ausgesuchter Aufmerksamkeit.

Als sie sich gegenüber saßen, sagte er:

„Ich danke Dir für Deine Zeilen, Theonie. Darf ich fragen, wo Du Dich hinbegiebst, und wie lange Du fortzubleiben gedenkst?“

„Ich reise zunächst nach Hamburg, wo ich einige Zeit verweilen will.
Über die Länge meiner Abwesenheit habe ich noch nichts festgesetzt.“