So wand sich Frege heraus.
Bei der Erwähnung der Pastorfamilie schoß Tankred ein Gedanke durch den Kopf. Wenn sie von den letzten Vorfällen durch Theonie unterrichtet wurden, würden Tressens auch bald wissen, was geschehen war. Jüngst hatte die Familie bereits geäußert, daß sie Pastors, die sie sehr schätzten, allernächstens mit Tankred zusammen einladen wollten.
Das verstärkte des Mannes Entschluß, unter allen Umständen Theonie nachzueilen. Er konnte sie noch erreichen, wenn er nicht säumte; sicher würde sie sich bei Höppners einige Stunden, vielleicht sogar den Tag über aufhalten. Sehr unbequem war ihm freilich die Pastorin, sie guckte durch die Wand, sie nahm kein Blatt vor den Mund. Wie der Teufel vor dem Zeichen des Kreuzes zurückwich, so fühlte er seine Gewalt und Kraft gehemmt durch die grade Ehrlichkeit ihres Wesens.
Kaum zehn Minuten später war Tankred unterwegs, er jagte dahin, daß der
Staub der Landstraße hoch aufwirbelte, und der schnaubende und wild
stürmende Fuchs die Aufmerksamkeit der die einsame Landstraße belebenden
Fußgänger erregte. —
Inzwischen saß Theonie bei Höppners im Gartenzimmer und berichtete mit eben wieder zurückgewonnener Fassung von allem, was geschehen war.
Der Pastor richtete unter der silbernen Brille seine Augen mit dem Ausdruck größter Teilnahme auf Theonie, aber sein sich auf- und abschiebender Mund und seine leisen Kopfbewegungen verrieten, daß er zugleich nach einer Entlastung für Tankred suchte, daß er die Hoffnung nicht ausgab, die Herzen zu versöhnen.
Anders die Pastorin, die allem Gerechten eine warme Freundin, aber dem
Schlechten eine eifrige und unerschrockene Gegnerin war.
„Ich sollte nur Ihrem Vetter gegenüberstehen, ich wollte ihm schon die
Seele mürbe machen, liebste Theonie. Sie thun auch ganz unrecht, Furcht
zu empfinden. Menschen, wie Ihr Vetter, sind nur mutig, wenn sie keinen
Widerstand treffen; sehen sie, daß man ihnen die Zähne zeigt, ziehen sie
wie die Hunde den Schwanz ein. Was soll Ihnen denn geschehen? — Er könnte
Sie totschlagen, meinen Sie? Welcher Gedanke! Er will nur Vorteile aus
Ihnen ziehen. Was gewinnt er, wenn er sich mit der Staatsgewalt in
Konflikt bringt? Ihre Phantasie ist erregt; der alte Frege, dessen
Mißtrauen sich erhöht, weil er schlecht hört, hat Sie ängstlich gemacht.
Ich wette darauf, daß Ihr Vetter von selbst wieder ankommt und um gut
Wetter bittet.“
So sprach die Frau, freilich mehr, um Theonie zu beruhigen, als ganz ihrer Überzeugung folgend. Auch sie stand unter dem Eindruck, daß Tankred zu dem Schlimmsten fähig sei.
Nachdem es ihr zu ihrer Freude gelungen war, Theonie etwas zu beruhigen, und nachdem auch noch der Pastor, seiner Veranlagung entsprechend, milde zum guten geredet, ja, den Vorschlag gemacht hatte, als Vermittler aufzutreten und Tankred zu bewegen, Falsterhof zu verlassen, wandten sie sich anderen naheliegenden Dingen zu, und die Pastorin rief: