„Nun, daß Sie mir mit der Zeit vielleicht etwas gut werden könnten, und daß sie, Fräulein Helge, dann nicht mehr der Mittelpunkt Ihrer Gedanken sein würde.“

„Sollte es das sein?“ ging's rasch und fast gegen Gretes Willen über ihre Lippen. Also Beweggründe egoistischer Natur hätten Carin geleitet! Das war Grete bisher noch nicht in den Sinn gekommen, aber da es ihr paßte, da sich daraus die Gründe für Carins Abneigung gegen Tankred erklären ließen, nahm sie das Gesagte als zutreffend an.

„Gewiß, ich bin dessen sicher, Fräulein von der Linden. Und nicht wahr?“ fügte Tankred, sich vorsichtig umschauend und leiser und zärtlich sprechend, hinzu: „Ich darf annehmen, ich darf hoffen, daß Fräulein Helge das Rechte traf —?“

Nun sah er sie an mit seinen leidenschaftlichen, sinnverwirrenden Augen, und sie ward unsicher und beängstigt. Ihr Blut regte sich, ein Strom schoß durch ihre Glieder, Liebe und Leidenschaft vereinten ihre Kräfte und wollten sie fortreißen. Aber dennoch siegte die überlegende Vernunft.

„Wir wollen über andere Dinge sprechen, Herr von Brecken,“ stieß sie,
sich mit Gewalt beherrschend, heraus und sah ihn an, als ob sie seine
Worte als ein übertriebenes Kompliment aufgefaßt hätte. Und zur besseren
Bestätigung ihrer Unempfindlichkeit fügte sie hinzu:

„Es giebt ja interessantere Themata als Fräulein Helge. — Wie denken Sie zum Beispiel über die Stellung des Jupiter zur Sonne?“ —

Als später Tankred mit Herrn von Tressen in dessen Rauchzimmer saß — es war kurz vor dem Abendessen — sagte der letztere:

„Haben Sie etwas von ihrer Frau Kousine gehört? Wo hält sie sich jetzt auf, wenn's erlaubt ist, zu fragen? Wird sie den ganzen Winter fortbleiben?“

„Sie ist bei Verwandten ihres Mannes in Hannover und will schon in einigen Wochen nach Falsterhof zurückkehren.“

„Und dann siedeln Sie auch wieder nach Falsterhof über? Oder welche Pläne haben Sie, Herr von Brecken? Ist es richtig, was meine Tochter mir sagt, daß Sie ein Gut kaufen wollen? Hoffentlich dann in unserer Nähe,“ schloß Herr von Tressen artig.