„Nun ja, was ist denn weiter? Sie war in unserm Hause angestellt, blieb dann noch einige Jahre als meine Gesellschafterin bei uns und sucht sich nun eine andere Thätigkeit. Ein Bündnis fürs Leben habe ich doch nicht mit ihr geschlossen.“
„Ließ die Dame etwa die Ehrerbietung gegen Sie aus den Augen, wenn die
Frage erlaubt ist?“
Statt zu antworten, lächelte Grete vor sich hin. Dann sagte sie, halb verlegen, halb schelmisch zu Tankred emporschauend:
„Sie, Herr von Brecken, sind sogar die Veranlassung zu unserm Zwist. Wenn Fräulein Helge uns verläßt, so tragen Sie die Schuld. Ja, ja, man kann sündigen, ohne es zu wissen,“ schloß sie, als Tankred große, forschende Augen machte.
„Ich?“ stieß er heraus. „Ich bitte, sprechen Sie. Das interessiert mich natürlich ungemein.“
Einen Augenblick schwankte Grete, ob sie Tankred antworten solle. Verriet sie ihm, daß Carins absprechendes Urteil über ihn sie geärgert habe, so offenbarte sie auch ihre Neigung zu ihm und griff den Dingen vor. Sie wollte ihm aber erst Hoffnungen machen, wenn sie über seine äußeren Verhältnisse genau unterrichtet war.
Dem klugen Intriganten ahnte, wie die Dinge lagen, und seine Wünsche unterstützten seine Annahme.
Er nahm deshalb rasch statt ihrer das Wort und sagte eindringlich:
„Ist es denkbar, daß Sie, mein Fräulein, für mich gegen Fräulein Helge Partei nahmen? Darf ich es hoffen, da es mir beweist, daß ich Ihnen nicht gleichgültig bin? Offen gestanden, Ihre Freundin war auch mir gleich bei dem ersten Anblick unsympathisch, und daß sie gegen mich intrigieren werde, war mir unzweifelhaft. Ich that ihr nichts, aber vielleicht sagte ihr ihr Ahnungsvermögen, daß — daß —“
„Daß?“ forschte Grete, die eigentlich sich nicht fortreißen lassen wollte, und doch dem Reiz nicht widerstehen konnte, der in halb verdeckten Erklärungen liegt.