„Noch eine hab ich immer in mein Herz geschlossen.“
„Nun?“
„Sie! Fräulein Grete,“ sagte er mit warmem Ausdruck. Nun zog's über das Angesicht des Mädchens, und sie drückte ihm gerührt die Hand. Bisweilen sprang noch einmal wie in ihren Kinderjahren eine heiße Quelle in ihr auf; die Sehnsucht, gut zu sein und sich Liebe zu erwerben, durchzog sie stürmisch. —
Tankred war nach Abrede auf Holzwerder eingetroffen, und eben versammelten sich die Herrschaften, um zu Tisch zu gehen. Nur Carin fehlte noch, und Frau von Tressen, die nicht gern warten mochte, schaute etwas ungeduldig nach der Thür.
„Wo bleibt denn Carin? Weißt Du etwas von ihr, Grete?“ wandte sie sich fragend an ihre Tochter und zog zugleich die Klingel. Grete zuckte mit deutlicher Teilnahmlosigkeit die Achseln; in denselben Augenblick aber öffnete sich die Thür, und Carin trat mit sichtlich verweinten Augen ins Gemach.
Alle blickten befremdet auf, aber Frau von Tressen verscheuchte die Peinlichkeit der Situation, indem sie sogleich das Zeichen zum Tischgang gab.
Nach Aufhebung der Tafel verschwand die Freundin des Hauses, die fast stumm dagesessen, sogleich wieder, und dieser Umstand veranlaßte Tankred, der mit Grete allein plaudernd in einem nach dem Garten schauenden Balkonzimmer saß, die Rede auf Fräulein Helge zu bringen.
„Wir haben uns erzürnt, und mit unserer Freundschaft ist's aus. Das
Fräulein verläßt morgen früh Holzwerder,“ entgegnete Grete kalt.
Die Mitteilung überraschte, aber interessierte und erfreute zugleich Tankred sehr. Die mißtrauischen Augen dieser Person in Zukunft nicht mehr auf sich gerichtet zu sehen, war ihm eine große Beruhigung.
„Das sagen Sie so leicht hin, gnädiges Fräulein?“ knüpfte er, um mehr zu hören, an.