„Bei einer Verlobung unserer Tochter, sehr geehrter Herr von Brecken, treten besondere Verhältnisse ein, die der Erörterung unterliegen müssen. Wenn ich Ihren sehr ehrenden und mich äußerst erfreuenden Antrag — meiner Tochter Stellung zu demselben kenne ich vorläufig noch nicht, ich darf dies gleich betonen, zweifle aber nicht, daß sie Ihnen, wie Sie es voraussetzen, geneigt ist, — also wenn ich Ihren Antrag in Überlegung ziehen soll, ist eine vorherige Klarstellung zwischen uns nötig.
Meine Tochter ist alleinige Inhaberin von Holwerder. Mit ihrer Heirat hören unsere rechtlichen Ansprüche auf, und wir sind angewiesen auf ihre gütige Hand. An sich ist dies peinlich, aber noch peinlicher gestalten sich die Dinge, wenn ihr Gatte Mitbesitzer und Verwalter des Vermögens wird. Eine klare, bindende schriftliche Bestätigung unserer moralischen Ansprüche ist erforderlich, nachdem die Höhe der uns zu zahlenden jährlichen Rente festgesetzt ist. Je bereitwilliger uns der Mann, der Grete einmal heimführen wird, in dieser Hinsicht entgegenkommt, desto geneigter werden wir ihm selbstverständlich sein. Darin liegt keine verwerfliche Geldsucht, sondern es begründet sich in der Natur der Dinge. Von der Luft können wir nicht existieren, und ein anständiges Auskommen wird meine Tochter ihrer Mutter selbst wünschen.“
Tankred hatte während Herrn von Tressens Rede wiederholt, eifrig
beipflichtend, den Kopf bewegt. Aber da er vorläufig noch nicht Gretes
Bräutigam war, hemmte er den Strom bereitwilliger Rede und sagte, der
Wirkung seiner Antwort gewiß:
„Ich würde, wenn mir das Glück werden könnte, Fräulein Grete heimführen, es als eine Ehrensache betrachten, die Existenz derjenigen möglichst ausgiebig materiell sicher zu stellen, denen ich mein Lebensglück in erster Linie verdanke. Das als Antwort auf eine Eventualität, die in eine Thatsache umzuwandeln, Sie, mein hochverehrter Herr von Tressen, so freundlich und gütig sein wollen, zu unterstützen.“ —
Als die beiden Ehegatten sich abends schlafen legten und Gelegenheit hatten, sich ohne Zeugen auszusprechen, berichtete Herr von Tressen in sehr gehobener Stimmung seiner Frau von dem Inhalt der stattgehabten Unterredung.
„Vortrefflich,“ sagte die Frau, nachdem er geendigt. „Aber nun wäre es doch wünschenswert, daß wir das Schriftstück, von dem Brecken spricht, einsähen, und daß Du auch an Frau Cromwell schriebest.“
„Meinst Du wirklich, daß letzteres notwendig ist? Ich denke, die Einsicht in das Abkommen genügt; hoffentlich wird Brecken es uns von selbst vorlegen. Ihn darum zu ersuchen, ist peinlich.“
„Nun, es wird sich ja finden! Vorläufig wollen wir Grete noch nichts mitteilen, aber ich will sie morgen sondieren, wie sie zu Brecken steht. Daß sie sich sehr für ihn interessiert, ist zweifellos. Übrigens, wie ist sie kühl! Von der Helge trennt sie sich mit einer Gleichgültigkeit, die mich fast erschreckt. Armes Mädchen! Sie war sehr weich und rührte mich sehr bei der Unterredung, die ich am Vormittag mit ihr hatte, während Ihr spazieren gingt. Aber an eine Aussöhnung denkt sie selbst nicht. Sie fühlt, daß Grete ihr Gehen will, Grete hat begierig die Gelegenheit zur Herbeiführung der Verstimmung ergriffen.“
Aber Herr von Tressen hörte schon kaum mehr zu, tiefe Atemzüge bewiesen, daß er bereits dem Schlaf erlegen war.
* * * * *