Zunächst drückte Tankred auf eine Klingel, um Frege herbeizurufen, aber da der nicht sogleich erschien, öffnete er selbst die Thür zur Linken und bat Grete, in die Wohngemächer einzutreten.

Ein überraschender Luxus trat ihnen entgegen; überall befanden sich kostbare Teppiche, alte Möbel und Kunstgegenstände; faltige Gardinen und Vorhänge, meist aus schweren Seidenstoffen, beschützten Thüren und Fenster, und alles Vorhandene verriet gediegenen Geschmack und den Reichtum der früheren Besitzer. Aber ein Hauch schwermütiger Verlassenheit durchwehte die Gemächer, und erst als sie die nach dem Parkgehölz zu liegenden Räume betraten, und hier die heller eindringende Sonne den kostbaren Gegenständen ein heiteres Gepräge verlieh, die eingelegten Schränke und Tische in ihrem Glanze blitzten, die Silbersachen funkelten, und die Bukets in den Fußteppichen in farbenreicher Schönheit aufleuchteten, verlor sich der Druck, der sich unwillkürlich auf Gretes Gemüt gelegt hatte, und ein Ruf der Überraschung ging aus ihrem Munde.

„So schön hätte ich mir Falsterhof nicht gedacht. War es Ihr Onkel, der einen so ausgeprägten Sinn für kostbare Dinge und einen so feinen Geschmack besaß?“ fragte sie.

„Er sowohl wie seine Frau hatten beide Verständnis dafür und Freude daran,“ entgegnete Tankred. „Wenn es sich um ein schönes, altes Möbel oder irgend eine Seltenheit handelte, hatte mein Onkel stets Geld. Er besaß eigentlich nur diese Passion und ging ihr bis in die letzten Lebensjahre nach. Sie müssen nun aber erst mal seine eigenen Gemächer sehen. Ich bitte, hier geht's hinaus, gleich über den Flur auf die andere Seite.“

Aber Grete zauderte noch, sie beugte sich zu einem in Elfenbein ausgelegten Kästchen herab und ließ ihr Auge darauf ruhen.

Wie so oft äußere Dinge die Vorstellungen der Menschen beeinflussen, so geschah's auch hier. Tankreds Wert und Ansehen stieg in ihren Augen durch all diese herrlichen Dinge, und ein gewisses eifersüchtiges Verlangen, der Mittelpunkt seines Lebens zu werden und Rechte auf all das zu erwerben, was sie umgab, regte sich in Grete.

Sie wünschte in diesem Augenblick, daß er ihr Komplimente sage, ihr den Hof mache, ja, sie wollte, wenn er's nicht von selbst that, herbeiführen, was ihre Gedanken und Sinne beschäftigte.

So war es denn durchaus nicht ohne Absicht, daß sie, als er ihr näher trat, den Kopf so zur Seite neigte, daß seine Wange ihr Haar streifte, und ihre Häupter sich sanft berührten. Sie zog das ihrige auch nicht zurück, und als er gar absichtlich oder unabsichtlich sich leise an sie drängte, ließ sie es geschehen und wich erst nach einer Weile, ihm einen sinnverwirrenden Blick zuwerfend, zurück.

„Beneidenswert, hier zu wohnen, das alles sein eigen zu nennen,“ stieß
Grete, nun den Weg zur Thür nehmend, heraus und seufzte begehrend auf.

„Das sagen Sie?“ entgegnete Tankred, ohne ihr zu folgen, und sie durch seine Haltung am Weiterschreiten hindernd. „In Holzwerder strahlt doch alles in Schönheit, dort weht eine reizvolle Gemütlichkeit, während Falsterhof düster und einsam ist. Nur in diese beiden Gemächer dringt etwas Wärme und Licht.“