Sie besah die Räume, in die Tankred sie führte, flüchtiger und machte eine hastig unruhige Bewegung zur Rückkehr, als sie in einer alten Rokokouhr die Zeiger bereits auf zwei Uhr gerichtet fand.

„Schon zwei Uhr! Ich muß zurück, Herr von Brecken. Ein andermal den
Park.“

„O nein! Ich bitte, bleiben Sie, Fräulein,“ wandte Tankred schmeichelnd ein. „Wann werden Sie wieder hierher kommen? Vielleicht niemals!“ — Und einen neckisch ernsten Ton annehmend, fügte er hinzu: „Hätten Sie, wie ich zu hoffen wagte, ein wenig Interesse für Falsterhof und seinen künftigen Besitzer — dann — dann —“

Aber schon während Tankred noch sprach, machte Grete eine nicht ungütige, aber entschieden abweisende Bewegung.

„Ich glaube, zu wissen, was Sie wollen, Herr von Brecken,“ stieß sie rasch, und als ob jede Minute Zaudern verderblich sei, heraus. „Aber, bitte, nicht hier, nicht jetzt, unter den mißtrauischen Augen des alten Dieners. Kommen Sie morgen zu uns zu Tisch nach Holzwerder. Wir sprechen uns dann, und — und —“

„O Grete, teures Mädchen —“ stieß Tankred, nicht Herr seiner durch den
Widerstand verschärften Leidenschaft, heraus. Aber statt ihm
nachzugeben, schüttelte sie das Haupt und verließ mit sanfter
Entschiedenheit und eiligen Schrittes das Gemach.

Draußen angekommen, drückte Tankred den Dienern jedem ein Geldstück in die Hand, und kurz darauf hatten sie beide Falsterhof verlassen. —

„Hier,“ sagte Frege, als das Geräusch der Räder und Hufen verklungen war, und gab Klaus die empfangene Münze. „Ich will von ihm kein Geld. — “ Nach diesen Worten zog er sich langsam in das finstere Haus zurück.

* * * * *

Als Tankred durch das Kirchdorf trabte, sah er zu seiner höchsten Überraschung Fräulein Helge mit der Frau Pastorin zusammen vor sich auftauchen. Dies bestimmte ihn, einen anderen Weg einzuschlagen, um das Wirtshaus zu erreichen, in welchem er sein Pferd einstellen wollte. Dort angekommen, forschte er die Wirtin aus, ob Besuch im Pastorenhause sei.