Der Kranke schüttelte den Kopf. „Ich mag nicht. Nichts schmeckt, nur Durst habe ich, immer Durst nach Wasser. Ah,“ stieß er heraus und ließ erschöpft das Haupt in die Kissen fallen, nachdem die Pastorin ihm das Verlangte eingeflößt. Und dann schlossen sich seine Augen. Aber zugleich streckte er zärtlich die Hand nach ihr aus.
„Mein guter Mann!“ flüsterte die Frau liebevoll und ergriff die ihr dargebotene Rechte. Schwere Thränen tropften aus ihren Augen. Eine stumme Dankgebärde war es von seiner Seite gewesen, aber auch ein Drang, ihr seine Liebe an den Tag zu legen.
Und später öffnete sich die Thür, und die kleine Lene schob sich, leise auftretend, herein.
„Papa Gute Nacht sagen,“ ging's aus dem Munde des Kindes.
Aber die Frau wehrte der Kleinen mit sanfter Bewegung, zog sie zu sich empor und ging mit ihr in eine entferntere Ecke des Zimmers.
„Papa schläft, mein süßes Kind, wir dürfen ihn nicht wecken! Ich werde ihm erzählen, daß Du da warst.“
Lene nickte. „Papa immer krank! Papa soll mit mir spielen,“ klagte sie traurig. Aber einem stark entwickelten Ordnungssinn folgend, glitt sie von dem Schoß der Mutter herab und nahm das Blatt einer Blume auf, das am Boden lag. Sie legte es in ihrer Mutter Hand und fuhr fort:
„Wann steht Papa wieder auf, Mama, bald?“
Da überkam die Frau der Schmerz.
Am Mittag hatte ihr der Arzt gesagt, daß er kaum verstehe, daß der Kranke bei so schwachem Puls noch lebe. Ein rasendes Fieber, das Höppner nach einer Erkältung erfaßt, hatte alle seine Kräfte verzehrt und ihm jegliche Widerstandsfähigkeit geraubt.