„Ich sag's nicht, und ich bin kein Bandit,“ stieß Frege entschlossen heraus. „Ein Bandit ist der, welcher —“

Aber Brecken ließ ihn nicht ausreden. Er faßte ihn hinten am Rockkragen, schob den Widerstrebenden zur Thür, entriegelte sie und stieß sein Opfer bis in die Kammer. Hier ließ er ihn los und befahl ihm, den Brief an sich nehmend, nochmals, die Abschrift auszuliefern.

Aber der Alte hob sich stöhnend in die Höhe, blickte den Mann fest an und sagte: „Ich thue es freiwillig nicht, wenn Sie mich auch töten. Früher oder später wird's doch Mordgeruch geben. Fangen Sie nur mit mir an!“

Brecken fletschte die Zähne, und so furchtbar war seine Wut, daß er Frege mit einem einzigen Schlage zu Boden streckte. Und dann beugte er sich über ihn und schrie: „Gieb, oder Du bist eine Leiche!“ und als Frege dann mit letzter Kraftaufwendung abermals verneinend den Kopf schüttelte, griff er in dessen Tasche, fand zwei Schlüssel und begab sich selbst ans Suchen. Seine Bemühungen waren nicht umsonst; nach wenigen Minuten fand er in der Schublade der Kommode sowohl das Wirtschaftsbuch wie auch ein Blatt Konzeptpapier, auf das Frege den Wortlaut des Falsifikats niedergeschrieben hatte.

Nachdem er es an sich genommen, näherte er sich Frege, der sich inzwischen mühsam emporgerafft hatte und, die Hand an den blutenden Kopf pressend, mit noch immer gleich finsterer Entschlossenheit dastand, und sagte, ihm die Schlüssel hinwerfend: „Diesmal ging's noch an Dir vorbei, Du schleichender Schuft. Aber hüte Dich! Trittst Du mir noch einmal in den Weg, so weiß ich, was ich zu thun habe!“

Dann schritt er hinaus, band sein Pferd im Stall los und jagte im Galopp auf der Straße nach Holzwerder zu.

* * * * *

Und wieder einen Tag später in der Dämmerungsstunde saß die Pastorin an dem Bette ihres Mannes und hörte mit tiefbeschwertem Herzen, was aus seinem Munde drang.

„Kräfte, Kräfte — Lene, fehlen mir! Bitte, reiche mir einen Schluck
Wasser.“

„Soll ich nicht etwas Wein hineinthun?“