Erbschaftsakte (Falsterhof) Tankred von Brecken, las ich. Grade wurde
Peter abgerufen. Da nahm ich schnell mein Wirtschaftsanschreibebuch
und meine Bleifeder und schrieb ab, was in dem Dokument stand. — ‘
Soweit war Tankred von Brecken gekommen, als er Schritte auf dem Flur
hörte. Sicher! Es war Frege, und rasch legte er den Brief wieder auf den
Platz und faßte die Thürklinke. Als er hinaustrat, streifte er den
Alten, der mit einer Miene zurückprallte, als ob die Erscheinung eines
Verstorbenen vor ihm aufgestiegen wäre.
„Ah, da sind Sie, Frege! Eben guckte ich in ihr Zimmer und fand Sie nicht. Einen Augenblick! Ich möchte etwas von meiner Kousine hören. Kommen Sie! Wir können nach vorn gehen!“
Der Alte, sichtlich aufs äußerste betroffen, aber sich beherrschend, nickte ehrerbietig und schritt voran, um die Thür zu den Gemächern des alten Herrn zu öffnen. Aber ehe sie eintraten, fragte Tankred: „Wo ist Klaus?“
„Er ist vor einer halben Stunde nach Marienhof gegangen. Er wollte seine
Schwester besuchen —“
Tankred bewegte kurz den Kopf. Was er hörte, befriedigte ihn sehr.
Kaum waren sie in den fast schon dunklen, dumpfen Raum eingetreten, als
Tankred die Thür schloß, auf den Alten losstürzte, ihn an der Gurgel
packte und ihm zuraunte: „Wo ist die Abschrift des Schriftstücks, das Du
Bandit Dir auf Holzwerder angeeignet hast? Heraus damit, oder ich töte
Dich, so wahr ich Brecken heiße!“
„A — h —“ drang's aus der Kehle des Gemarterten. Er wollte reden, aber die furchtbare Faust Breckens schnürte ihm Atem und Sprache ab.
Brecken lockerte mit den funkelnden Augen eines Raubtiers seine Hand, stieß den Alten auf einen Stuhl und blieb neben ihm stehen.
„Nun?“ zischte er mit furchtbaren Gebärden.