„Und ich muß zustimmen, Grete?“ fiel Tankred schmeichelnd ein und küßte seine Braut zärtlich. „Du willst also nicht nur Herz- und Seelengemeinschaft, sondern auch Gütergemeinschaft mit mir schließen?“
„Ja, ich mit Dir, und Du mit mir!“
„Ah — —“ stieß Tankred heraus und lächelte künstlich.
Das junge Geschöpf behandelte Geldsachen, als ob sie ihr seit Kindesbeinen geläufig seien. Und sie gab wohl, wußte aber auch wieder zu nehmen. Ihre praktische Umsicht war in der That erstaunlich! Aber er ließ nichts von seinen Eindrücken merken, stimmte ihr nur, um ihre Vertrauensseligkeit zu bestärken, durch ein „Natürlich! natürlich, liebster Schatz!“ bei und triumphierte, daß ihm solche seine Macht und seinen Einfluß für die Zukunft sichernde Vergünstigung freiwillig geboten ward.
Über die schriftliche Zusicherung, die Tressens gegeben werden sollte, dachte er auch schön günstiger. Wenn kein Fixum festgestellt, vielmehr die Summe von den nicht kontrollierbaren Einnahmen, die das Gut erzielte, abhängig gemacht wurde, dann waren genug Hinterthüren vorhanden, um Tressens später die Einkünfte zu schmälern. — Endlich unterlag der künftige Wohnsitz der „Alten“ noch einer Erörterung zwischen Tankred und Grete.
„Ich meine allerdings, daß dies ein Punkt ist, wo Du fest bleiben mußt, Grete. Ohne Not mit den Schwiegereltern zusammenzuwohnen, heißt, täglich das Dach öffnen, um das Wetter hereinzulassen. Aber bitte, berühre diese Sache vorläufig noch gar nicht. Wir werden sagen, daß wir nach der Hochzeit eine Reise unternehmen wollen, und unsere Wünsche sprechen wir dann in sehr rücksichtsvoller, aber ebenso entschiedener Weise schriftlich aus. Mündliche Erörterungen sind peinlich, ihnen wollen wir aus dem Wege gehen. Daß sie uns jährlich einmal besuchen, kann uns natürlich nur sehr willkommen sein, aber sie oben, wir unten, das führt zu nichts Gutem. Übrigens will ich zugeben, — “ hier trug Tankred der Möglichkeit Rechnung, daß doch einmal das Gespräch über diesen Gegenstand Tressens zu Ohren kommen könnte, — „daß für ein Zusammenleben wenige Personen sich so eignen, wie Deine überaus treffliche Mutter und Dein sehr liebenswürdiger Papa.“
Grete war sichtlich völlig einverstanden. Gegen das vorgeschlagene Versteckspielen lehnte sich ihre ehrliche Natur freilich ein wenig auf, aber sie überwand ihr Schwanken leicht, weil sie die eben von Tankred hervorgehobene Peinlichkeit einer mündlichen Erörterung in Betracht zog.
„Wann siedelst Du denn nun nach Falsterhof über, lieber Tankred?“ warf dann noch Grete hin. „Woran liegt's eigentlich, daß Du nicht Ernst machst? Die Gründe von früher sind doch nun hinfällig.“
Da schoß es Tankred von Brecken durch den Kopf, daß er das Ungünstige für sich günstig nützen könne, und er gab, den Tag, an welchem die Szene mit Frege stattgefunden, auf eine frühere Zeit verschiebend, diesen Vorfall als Grund für sein Fernbleiben von Falsterhof an. Grete werde verstehen, wie ungemütlich es sei, einen solchen renitenten Menschen, den er aber doch nicht fortschicken könne, um sich zu haben. Den Gegenstand, wegen dessen er ihn gezüchtigt hatte, umging er; er erwähnte nur, daß Frege sich höchst unverschämt betragen habe. Eine offene Darlegung des Sachverhalts schien ihm gefährlich; sie konnte doch Mißtrauen erwecken. Gerade das Schriftstück hatte ja Tressens Bereitwilligkeit, einer Verlobung mit Grete zuzustimmen, gefördert; letztere selbst — Tankred bezweifelte es nicht — würde ohne die Aussicht, die ihm durch dasselbe auf Falsterhof eröffnet wurde, gezögert haben, ja zu sagen.
Er durchschaute sie ganz. Sie aber, seiner Kunst erliegend, traute ihm bisher nichts Schlechtes zu; sie fand ihn etwas berechnend und selbstsüchtig, aber das störte sie keineswegs, im Gegenteil, das erhöhte seinen Wert in ihren Augen. —