Carin nickte unbefangen und trat, während die anderen in den Buchensteig einbogen, um auf der dort am Ausgang befindlichen Höhe einen Ausblick zu gewinnen, mit Hederich an das mit niedrigem, stark duftendem Buchsbaum eingefaßte Rondell.
Nachdem Carin die Rosen bewundert hatte, sagte sie: „Ich finde, daß der Garten nicht mehr so schön gehalten wird, wie früher. Schade! Woran liegt das?“
„Drum und dran, an dem, was Sie selbst wissen. Herr von Tressen kränkelt viel und kommt nicht heraus. Und dann, dann, Fräulein Carin, es ist doch nicht der frühere Zug drin. Die Alten dürfen sich in nichts mehr mischen. Die jungen Herrschaften haben den Besitz angetreten, und nun ist natürlich das Interesse für vieles nicht in alter Weise da.“
„Ich höre, Breckens haben heute geschrieben, daß sie die Rückreise angetreten haben. Sie werden in einigen Tagen erwartet. Das führt dann auch wohl für Sie manche Änderung mit sich, Herr Hederich?“
„Drum und dran! Ja gewiß! Wissen Sie, was ich glaube, Fräulein Carin?“
Hederich sprach den Namen sehr breit, er verstand's nicht anders.
„Nun, Herr Hederich?“
„Ich glaube, meine Tage sind hier überhaupt gezählt. Herr von Brecken will selbst herrschen, auch die Ausgaben verringern. Sie wollen's beide. Na, Sie kennen's ja am besten. Ich hab' mich auch schon an den Gedanken gewöhnt. Am Ende, leben kann ich, so viel habe ich! Vielleicht pachte ich mir irgendwo etwas oder kaufe mir einen kleinen Besitz. — Aber, drum und dran, — leicht wird's mir doch nicht werden — leicht schon nicht, weil — weil —“
„Weil man sich schwer von der Scholle trennt, auf der man so lange fleißig wirkte und erfolgreich thätig war,“ fiel Carin ein. „Ja, das begreife ich. Die Liebe für das hiesige Land und die Menschen waren ja neben der Frau Pastorin eifrigem Zureden auch für mich der Grund, zu bleiben. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nicht der Peinlichkeit ausgesetzt, wieder mit Grete in Berührung zu treten. Wie leichten Herzens hat sie mich gehen lassen!“
„Es hat sie viel beschäftigt, es hat ihr auch weh gethan, ich sagte es Ihnen schon, Fräulein Carin. Es war ja nur, weil sie über Herrn von Brecken so abfällig urteilten. Sie mußten doch, drum und dran, merken, daß sie ein Auge auf ihn hatte, da war es, — nichts für ungut, unvorsichtig und auch etwas hart von Ihnen, ihn so in Mißachtung zu bringen. Was man lieb hat, mag man sich nicht von anderen verleiden lassen. Aber passen Sie mal auf, es wird alles gut gehen, wenn sie wiederkommt. Sie wird ganz die alte sein.“
„Nein, nein, das ist vorbei. Ich will auch nicht wieder und habe nur bei Frau Cromwell die Erlaubnis erwirkt, den späteren Gesellschaften hier im Hause fern bleiben zu dürfen. Sie denken noch immer viel zu gut über die Menschen, Herr Hederich. Es ehrt Sie, es beweist, daß Sie ein goldenes Herz haben. Aber Sie werden auch noch enttäuscht werden. Ich freue mich nur, daß Sie sich die Dinge mit Herrn von Brecken schon klar gestellt haben. Kein Jahr dauert's, dann ist's vorbei. Ich rate Ihnen, zu kündigen, damit er es nicht thut.“