Aber schon nahm der Pastor zum Verdruß Hederichs, der nun einmal gern für diese Dinge der Auskunftsgeber sein mochte, das Wort und erteilte Herrn von Tressen Antwort. Auch Theonie fügte einige Worte hinzu und äußerte: „Es ruhte aber niemals Segen auf den Familien, die dort gewohnt haben. Alle kamen später in Bedrängnis. Der abgetrennte, alte Herrensitz hat ja auch nichts als einen Park, bringt also keine Einkünfte, sondern kostet nur Geld. Höchstens ein paar Hühner und eine Kuh können da gehalten werden.“

„Ja höchstens! Drum und dran, nur für reiche Leute bewohnbar,“ betätigte
Hederich, um doch wenigstens seiner Ansicht auch Geltung zu verschaffen.

„Wann treffen Ihre Kinder ein?“ fragte Theonie, sich zum Abschied erhebend. „Ich möchte Ihrer Tochter einige Blumen zum Willkommen senden.“ Frau von Tressen gab Antwort, und alle setzten sich nach dem Hof, auf dem der Wagen von Falsterhof bereits wartete, in Bewegung.

Wenig später hatten Theonie, Carin und auch Höppners, die in einem flinken Landfuhrwerk eingetroffen waren, Holzwerder verlassen.

„Wir erwarten Sie also nachher zum Whist, Hederich,“ rief noch Herr von Tressen, der unter Beihülfe seiner Frau hinkend den Weg nach dem Schloß nahm und Hederichs höflichen Gruß durch das Lüften des Hutes erwiderte. Und Hederich rief ein „Zu Befehl, Herr von Tressen“ zurück, obschon seine Gedanken in diesem Augenblicke wenig bei der Sache waren.

Als er in sein wein- und epheuumschattetes Haus eintrat, murmelte er: „Sie grüßte noch einmal vom Wagen herunter. Ja, das that sie. Wenn dieser verdammte Puffmann nicht gewesen wäre, dann, — dann, — drum und dran! Ich hatte so schöne Gelegenheit, ihr ein büschen Andeutung zu geben — —“

* * * * *

Breckens wurden erwartet. Am Mittag sollten sie eintreffen, und schon nahte sich der Augenblick. Frau von Tressen hatte das Schloß bekränzen lassen. Um die Fenster und Thüren waren Blumenguirlanden gesteckt, und auch Hederich hatte sich gerührt. Die Knechte und Mägde waren in ihren Sonntagskleidern bereits aufgestellt, und die Kinder der Gutsangehörigen standen mit Rosen in den Händen an der Schloßtreppe. Einem kleinen Mädchen waren einige Verse einstudiert, die sie hersagen sollte. Der Schluß der von Hederich unter vielen Nöten gedichteten Willkommsworte lautete:

„Es wechselt Kälte, Sonnenschein und Regen!
Der Landmann braucht's,
Ihm ist's ein Segen,
Wenn's auch mal kalt und naß vom Himmel strömt!
Durch Eure Herzen aber möge strahlen
Nur warmer, goldener Sonnenschein und malen
Auf Eure Wangen Lust und Fröhlichkeit!
Das wünschen alle, die hier sind vereinet,
Und seht, ein jedes Auge weinet
Vor Freud', daß Ihr zurückgekehret seid!“

Glücklicherweise war's ein herrlicher Tag. Alles glänzte, umflutet von der Sonne. Der Hof und der Vorgarten prangten in Ordnung und Sauberkeit, die Blumen in letzterem leuchteten in lebhaften Farben, der Himmel war klar und blau, und die am Morgen besprengten Gebüsche trugen noch silberfunkelnde Spuren des erfrischenden Bades. Auch waren die Wege neu aufgeschüttet, und von der Spitze des Daches flatterte eine Fahne in den Tressenschen Farben.