Und alles vollzog sich, wie gehofft und erwartet war. Sichtlich bewegt umarmte Grete ihre Mutter und ihren Vater; nach ihnen drückte sie Hederich die Hand und reichte sie, Tankred folgend, auch den Knechten und Mädchen. Ihr Gatte, in einem flottgeschnittenen Reisekostüm, strahlte wie seine Frau in Frische und Gesundheit, und deutlich malten sich die Eindrücke in beider Zügen wieder.
Bei Grete war's ein Anflug wahrer Rührung, sie verglich das wenige, was an Gemüt in ihr ruhte, mit dem, was ihr entgegengetragen ward. Ehrliche Scham und dankbare Gefühle zogen durch ihre Seele. Bei dem Manne war's dagegen die Eitelkeit und die Befriedigung, daß man ihm ohne Zwang Beweise der Verehrung entgegentrug, die er so wenig verdiente. Gesunkene Hoffnung auf altes Glück stieg auch in Frau von Tressen empor, sie glaubte, weil sie hoffte, und nicht minder fanden Herr von Tressen und Hederich ihre Voraussetzungen erfüllt.
Der Tag und die kommende Woche verliefen denn auch in ungestörter Harmonie. Grete packte, ordnete und richtete unter Beihülfe ihrer Mama alles nach ihrer Bequemlichkeit ein, und Tankred ging mit Hederich über die Gutsfelder und sah mit nicht geringer Genugthuung, wie jegliches gediehen war.
Nach und nach gewannen auch die Hauseinrichtungen eine feste Gestalt. Die junge Frau übernahm nunmehr die Küche, das Mittag- und Abendessen wurde in dem Speisezimmer unten serviert, und die Alten begaben sich, wenn die Glocke ertönte, herab und nahmen daran teil.
Dafür war ein festes Kostgeld verabredet worden. Tressens vergüteten, gleichviel ob sie erschienen oder nicht, ihren Kindern monatlich eine bestimmte Summe.
Morgens bereitete dagegen Frau von Tressen ihrem Manne selbst das Frühstück und sorgte auch in außergewöhnlichen Fällen für ihre und seine Bedürfnisse. Ein Diener wurde angenommen, der in erster Linie für Tressens da war; sie bezahlten ihn, und er beschaffte, was sie brauchten. In der Praxis sollte sich dann erst herausstellen, ob das alles so bleiben konnte, oder Änderungen eintreten mußten.
Zunächst spürten beide Familien nur die Annehmlichkeiten der Einrichtungen. Am Tage, der seine Pflichten erheischte, hielt sich jeder für sich, und wenn der Abend mit seinem Ruhe- und Erholungsdrange kam, trat auch das Bedürfnis nach Geselligkeit ein. Nach wie vor wurden die Karten oder das Schachbrett hervorgeholt, man plauderte oder las vor, und die Frauen beschäftigten sich mit Handarbeit. Grete hatte offenbar den besten Willen mitgebracht, mit ihren Eltern in engstem Zusammenhange zu bleiben, und Tankred fügte sich entweder aus wirklichem Behagen oder aus Klugheit bereitwillig in die geschaffenen Verhältnisse.
Jedenfalls ward das gute Einvernehmen durch nichts gestört, und nach Verlauf von einigen Wochen, als sich alles in geordnetem Gange befand, wurde nunmehr auch erörtert, wann die jungen Leute Besuche machen wollten, und wer zunächst eingeladen werden sollte.
„Es geht gar nicht mehr! Wir müssen sobald wie möglich nach Falsterhof,“ erklärte Grete. „Noch haben wir nicht einmal für die Blumen gedankt, die Theonie uns gesandt hat.“
Tankred, der diesen Besuch als einen ihm sehr unbequemen absichtlich aufgeschoben hatte, stimmte jetzt bei. Einmal mußte er seiner Kousine ja doch zum erstenmal wieder gegenübertreten, und schon hatte Hederich, der inzwischen wiederholt auf Falsterhof gewesen war, erzählt, daß Theonie sich erkundigt hätte, ob ihre Blumen auch abgegeben worden seien.