„Drum und dran! Sie wundert sich, daß Sie noch nicht da waren, Herr von
Brecken. Da Sie mich fragen, ja, es ist so.“

Es wurde demnach beschlossen, am Sonntag nachmittag nach Falsterhof zu fahren und Theonie und Fräulein Carin zu einem Diner in der Mitte der Woche einzuladen.

Letzterer gegenüberzutreten, war Grete recht peinlich. Aber da sie sich schon bei der Hochzeit wieder gesehen, und beide ein unbefangenes Wesen an den Tag gelegt hatten, überwand sie bald den Anflug ihrer unbehaglichen Stimmung.

Nach eingenommenem Kaffee um vier Uhr nachmittags machten sich die
Bewohner von Holzwerder in zwei Wagen auf den Weg. Hederich saß bei den
Alten, die Jungen kutschierten voran; Grete, neben ihrem Manne, lenkte
die Zügel. Während sie dahin fuhren, sagte Tankred:

„Weißt Du, es wäre wirklich gar zu schön, wenn die beiden Besitzungen, die ursprünglich zusammengehört haben, wieder vereint würden. Es hat doch keinen Zweck, daß meine Kousine da allein auf Falsterhof wirtschaftet. Wenn sie mir ihr Versprechen früher einlöste, wäre es auch leicht zu machen. Ich würde eine Hypothek auf Falsterhof aufnehmen und ihr ihre Hälfte damit abkaufen. Denke Dir, Holzwerder und Falsterhof! Es wäre eine fürstliche Herrschaft! Wenn manches anders eingerichtet wird, die Güter rationeller bewirtschaftet werden, können sie gegen zweihunderttausend Mark abwerfen. Sei nur recht liebenswürdig gegen meine Kousine und auch gegen die Helge. Die hat großen Einfluß auf sie. Sie kann uns im Fall alles verderben.“

„Wenn nur Theonie nicht noch einmal heiratet, Tankred,“ entgegnete Grete, ihres Mannes Worte durch Neigen des Kopfes bestätigend. „Dann könnte sie am Ende an ihrer Zusage rütteln?“

„Gewiß. Und deshalb müßte man auch darauf hinzuwirken suchen, — ich denke täglich daran, — daß sie schon früher Ernst macht. Sie will nach der Vorschrift des Testaments die Sicherheit haben, daß der Besitz nicht verschleudert wird, mit anderen Worten, daß wir ihn halten, mehren und verbessern. Wenn sie die Überzeugung gewonnen hat, daß wir das thun, so wird sie nicht zögern, ihr Versprechen wahr zu machen. Man könnte vielleicht Hederich ins Vertrauen ziehen. Aber das ist auch wieder zu überlegen. Der thut nur, was er für richtig hält, und daß er auf dem Standpunkte steht, ohne seine Verwaltung könne nichts gedeihen, ist ausgemacht. Wir kamen schon gestern einmal an einander. Immer will er seinen Willen durchsetzen. Eigensinnig ist er wie ein Kutschpferd.“

„Ihr kamt an einander? Weshalb? Das hast Du mir ja gar nicht erzählt.
Bitte, was war's?“

„Ich gehe stark mit der Absicht um, in größerem Maßstabe Rüben zu pflanzen und eine Zuckerfabrik anzulegen. Von diesem Plane erzählte ich ihm, und er wollte nichts davon wissen. Sie hätten alle bisher kein Geschäft gemacht, meinte er.“

„Dann ist's doch auch klug, es zu lassen.“