„O ja, so war es, genau so. Dann fand ich Beatrice, und dann kam endlich wieder ein Führer zu mir. Er hieß Pistorius. Erst da wurde mir klar, warum meine Knabenzeit so sehr an Max gebunden war, warum ich nicht von ihm loskommen konnte. Liebe Frau — liebe Mutter, ich habe damals oft geglaubt, ich müsse mir das Leben nehmen. Ist denn der Weg für jeden so schwer?“
Sie fuhr mit ihrer Hand über mein Haar, leicht wie Luft.
„Es ist immer schwer, geboren zu werden. Sie wissen, der Vogel hat Mühe, aus dem Ei zu kommen. Denken Sie zurück und fragen Sie: war der Weg denn so schwer? — nur schwer? War er nicht auch schön? Hätten Sie einen schöneren, einen leichteren gewußt?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Es war schwer,“ sagte ich wie im Schlaf, „es war schwer, bis der Traum kam.“
Sie nickte und sah mich durchdringend an.
„Ja, man muß seinen Traum finden, dann wird der Weg leicht. Aber es gibt keinen immerwährenden Traum, jeden löst ein neuer ab, und keinen darf man festhalten wollen.“
Ich erschrak tief. War das schon eine Warnung? War das schon Abwehr? Aber einerlei, ich war bereit, mich von ihr führen zu lassen und nicht nach dem Ziel zu fragen.
„Ich weiß nicht,“ sagte ich, „wie lange mein Traum dauern soll. Ich wünsche, er wäre ewig. Unter dem Bild des Vogels hat mich mein Schicksal empfangen, wie eine Mutter, und wie eine Geliebte. Ihm gehöre ich und sonst niemand.“
„Solange der Traum Ihr Schicksal ist, solange sollen Sie ihm treu bleiben,“ bestätigte sie ernst.