Eine Traurigkeit ergriff mich, und der sehnliche Wunsch, in dieser verzauberten Stunde zu sterben. Ich fühlte die Tränen — wie unendlich lange hatte ich nicht mehr geweint! — unaufhaltsam in mir aufquellen und mich überwältigen. Heftig wandte ich mich von ihr weg, trat an das Fenster und blickte mit blinden Augen über die Topfblumen hinweg.
Hinter mir hörte ich ihre Stimme, sie klang gelassen und war doch so voll von Zärtlichkeit wie ein bis zum Rande mit Wein gefüllter Becher.
„Sinclair, Sie sind ein Kind! Ihr Schicksal liebt Sie ja. Einmal wird es Ihnen ganz gehören, so wie Sie es träumen, wenn Sie treu bleiben.“
Ich hatte mich bezwungen und wandte ihr das Gesicht wieder zu. Sie gab mir die Hand.
„Ich habe ein paar Freunde,“ sagte sie lächelnd, „ein paar ganz wenige, ganz nahe Freunde, die sagen Frau Eva zu mir. Auch Sie sollen mich so nennen, wenn Sie wollen.“
Sie führte mich zur Tür, öffnete und deutete in den Garten. „Sie finden Max da draußen.“
Unter den hohen Bäumen stand ich betäubt und erschüttert, wacher oder träumender als jemals, ich wußte es nicht. Sachte tropfte der Regen aus den Zweigen. Ich ging langsam in den Garten hinein, der sich weit das Flußufer entlang zog. Endlich fand ich Demian. Er stand in einem offenen Gartenhäuschen, mit nacktem Oberkörper, und machte vor einem aufgehängten Sandsäckchen Boxübungen.
Erstaunt blieb ich stehen. Demian sah prachtvoll aus, die breite Brust, der feste männliche Kopf, die gehobenen Arme mit gestrafften Muskeln waren stark und tüchtig, die Bewegungen kamen aus Hüften, Schultern und Armgelenken hervor wie spielende Quellen.
„Demian!“ rief ich. „Was treibst du denn da?“
Er lachte fröhlich.