Er hörte nicht auf meine Worte. Er war sehr bleich, und Schweiß rann zu beiden Seiten von seiner Stirn über die Wangen. Er band die Zügel seines erhitzten Pferdes an den Gartenzaun, nahm meinen Arm und ging mit mir die Straße hinab.

„Weißt du schon etwas?“

Ich wußte nichts.

Demian drückte meinen Arm und wandte mir das Gesicht zu, mit einem dunklen, mitleidigen, sonderbaren Blick.

„Ja, mein Junge, es geht nun los. Du wußtest ja von der großen Spannung mit Rußland —“

„Was? Gibt es Krieg? Ich habe nie daran geglaubt.“

Er sprach leise, obwohl kein Mensch in der Nähe war.

„Er ist noch nicht erklärt. Aber es gibt Krieg. Verlaß dich drauf. Ich habe dich seither mit der Sache nicht mehr belästigt, aber ich habe seit damals dreimal neue Anzeichen gesehen. Es wird also kein Weltuntergang, kein Erdbeben, keine Revolution. Es wird Krieg. Du wirst sehen, wie das einschlägt! Es wird den Leuten eine Wonne sein, schon jetzt freut sich jeder aufs Losschlagen. So fad ist ihnen das Leben geworden. — Aber du wirst sehen, Sinclair, das ist nur der Anfang. Es wird vielleicht ein großer Krieg werden, ein sehr großer Krieg. Aber auch das ist bloß der Anfang. Das Neue beginnt, und das Neue wird für die, die am Alten hängen, entsetzlich sein. Was wirst du tun?“

Ich war bestürzt, es klang mir alles noch fremd und unwahrscheinlich.

„Ich weiß nicht — und du?“