„Laß nur, laß! Rede nicht davon. Wir haben noch eine Viertelstunde Zeit.“

Da saßen wir und hielten uns still umfangen, und während sie sich an mich schmiegte und bei jeder Liebkosung den Atem anhielt und schauerte, ging ihre Bedrücktheit und Schwermut auf mich über. Ich wollte mich wehren und redete ihr zu, an mich und an unser Glück zu glauben.

„Ja, ja,“ nickte sie, „nicht davon reden! Wir sind ja jetzt glücklich.“

Darauf küßte sie mich mehrmals mit stummer Kraft und Glut und hing dann erschlaffend und müde in meinem Arm. Und als ich gehen mußte, und als sie mir in der Tür mit der Hand übers Haar strich, sagte sie mit halber Stimme: „Adieu Schatz. Komm morgen nicht! Komm gar nicht wieder, bitte! Du siehst doch, daß es mich unglücklich macht.“

Mit einem quälenden Zwiespalt im Herzen ging ich heim und vergrübelte die halbe Nacht. Warum wollte sie nicht glauben und glücklich sein? Ich mußte an das denken, was sie mir schon vor einigen Wochen einmal gesagt hatte: „Wir Frauen sind nicht so frei wie ihr; man muß tragen lernen, was über einen verhängt ist.“ Was war denn über sie verhängt?

Das mußte ich jedenfalls wissen, und darum schickte ich ihr am Vormittag einen Zettel und wartete abends, als das Werk stillstand und die Arbeiter alle gegangen waren, hinter dem Schuppen bei den Marmorblöcken. Sie kam spät und zögernd herüber.

„Warum bist du gekommen? Laß es jetzt genug sein. Der Vater ist drinnen.“

„Nein,“ sagte ich, „du mußt mir jetzt sagen, was du noch auf dem Herzen hast, alles und alles, ich gehe nicht eher weg.“

Helene sah mich ruhig an und war so blaß wie die Steinplatten, vor denen sie stand.