„Weißt du’s denn nicht?“ fragte er mit veränderter Stimme.
„Was denn? Nein.“
Er stellte sich vor mich hin und sah mir ins Gesicht.
„Dann geh nur wieder heim, Junge,“ sagte er leise und fast weich und legte mir die Hand auf den Arm. Mir stieg im Hals ein Würgen auf, eine namenlose Angst flog mir durch alle Glieder.
Und Becker sah mich noch einmal so merkwürdig prüfend an. Dann fragte er leise: „Hast du gestern mit dem Mädchen gesprochen?“ Und als ich rot wurde, hustete er gewaltsam, es klang aber wie ein Stöhnen.
„Was ist mit Helene? Wo ist sie?“ schrie ich angstvoll heraus. „Etwas Schlimmes?“
Becker nickte, ging auf und ab und schien mich vergessen zu haben. Ich lehnte am Pfosten des Treppengeländers und fühlte mich von fremden, blutlosen Gestalten beengend und höhnisch umflattert. Nun ging Becker wieder an mir vorbei, sagte: „Komm!“ und stieg die Treppe hinauf, bis wo sie eine Biegung machte. Dort setzte er sich auf eine Stufe, und ich setzte mich neben ihn, meinen schönen Gehrock rücksichtslos zerknitternd. Einen Augenblick war es totenstill durchs ganze Haus, dann fing Becker zu sprechen an.
„Nimm dein Herz in die Hand und beiß auf die Zähne, Kleiner. Also die Helene Lampart ist tot, und zwar haben wir sie heut morgen vor der unteren Stellfalle aus dem Bach gezogen. — Sei still, sag nichts! Und nicht umfallen! Du bist nicht der einzige, dem das kein Spaß ist. Probier’s jetzt und drück’ die Männlichkeit durch. Jetzt liegt sie in der Stube dort und sieht wieder schön genug aus, aber wie wir sie herausgeholt haben — das war bös, du, das war bös . . .“
Er hielt inne und schüttelte den Kopf.
„Sei still! Nichts sagen! Später ist zum Reden Zeit genug. Es geht mich näher an als dich. — Oder nein, lassen wir’s; ich sag’ dir das alles dann morgen.“