„Nein,“ bat ich, „Becker, sag mir’s! Ich muß alles wissen.“

„Nun ja. Kommentar und so weiter steht dir später jederzeit zu Diensten. Ich kann jetzt nur sagen, es war gut mit dir gemeint, daß ich dich all die Zeit hier ins Haus laufen ließ. Man weiß ja nie vorher. — Also, ich bin mit der Helene verlobt gewesen. Noch nicht öffentlich, aber —“

Im Augenblick meinte ich, ich müsse aufstehen und dem Verwalter mit aller Kraft ins Gesicht hauen. Er schien es zu merken.

„Nicht so!“ sagte er ruhig und sah mich an. „Wie gesagt, zu Erklärungen ist ein andermal Zeit.“

Wir saßen schweigend. Wie eine Gespensterjagd flog die ganze Geschichte zwischen Helene und Becker und mir an mir vorbei, so klar wie schnell. Warum hatte ich das nicht früher erfahren, warum nicht selber gemerkt? Wieviel Möglichkeiten hätte es da noch gegeben! Nur ein Wort, nur eine Ahnung, und ich wäre still meiner Wege gegangen, und sie läge jetzt nicht dort drinnen.

Mein Zorn war schon erstickt. Ich fühlte wohl, daß Becker die Wahrheit ahnen mußte, und ich begriff, welche Last nun auf ihm lag, da er in seiner Sicherheit mich hatte spielen lassen und nun den größeren Teil der Schuld auf seiner Seele hatte. Jetzt mußte ich noch eine Frage tun.

„Du, Becker — hast du sie lieb gehabt? Ernstlich lieb gehabt?“

Er wollte etwas sagen, aber die Stimme brach ihm ab. Er nickte nur, zweimal, dreimal. Und als ich ihn nicken sah, und als ich sah, wie diesem zähen und harten Menschen die Stimme versagte, und wie auf seinem herben, übernächtigen Gesicht die Muskeln so deutlich redend zuckten, da fiel mich das ganze Weh erst an, und ich senkte den Kopf und schluchzte ohne Halt.

Nach einer guten Weile, da ich durch die versiegenden Tränen aufschaute, stand jener vor mir und hielt mir die Hand hingestreckt. Ich nahm sie an und drückte sie, er stieg langsam vor mir her die steile Treppe hinunter und öffnete leise die Tür des Wohnzimmers, in dem Helene lag und das ich mit tiefem Grauen an jenem Morgen zum letzten Mal betrat.

Heumond