„Also die alten Abenteuer haben dir gefallen, Paul?“ lachte der Hausherr. „Dann laß sie dir von keiner Wissenschaft verhunzen, sonst geschieht’s dir recht. Du wirst doch nicht verstimmt sein?“
„Ach, es ist nichts. Aber weißt du, ich hatte doch gehofft, der Herr Homburger würde nicht mit aufs Land kommen. Du hast ja gesagt, ich brauche in diesen Ferien nicht zu büffeln.“
„Ja, wenn ich das gesagt habe, ist’s auch so und du kannst froh sein. Und der Herr Lehrer beißt dich ja nicht.“
„Warum mußte er denn mitkommen?“
„Ja siehst du, Junge, wo hätt’ er denn sonst bleiben sollen? Da wo er daheim ist, hat er’s leider nicht sonderlich schön. Und ich will doch auch mein Vergnügen haben! Mit unterrichteten und gelehrten Männern verkehren ist Gewinn, das merke dir. Ich möchte unsern Herrn Homburger nicht gern entbehren.“
„Ach, Papa, bei dir weiß man nie, was Spaß und was Ernst ist.“
„So lerne es unterscheiden, mein Sohn. Es wird dir nützlich sein. Aber jetzt wollen wir noch ein bißchen Musik machen, nicht?“
Paul zog den Vater sogleich freudig ins nächste Zimmer. Es geschah nicht so häufig, daß Papa unaufgefordert mit ihm spielte. Und das war kein Wunder, denn er war ein Meister auf dem Klavier und der Junge konnte, mit ihm verglichen, nur eben so ein wenig klimpern.
Tante Grete blieb allein zurück. Vater und Sohn gehörten zu den Musikanten, die nicht gerne einen Zuhörer vor der Nase haben, aber gerne einen unsichtbaren, von dem sie wissen, daß er nebenan sitzt und lauscht. Das wußte die Tante wohl. Wie sollte sie es auch nicht wissen? Wie sollte ihr irgend ein kleiner, zarter Zug an den beiden fremd sein, die sie seit Jahren mit Liebe umgab und behütete und die sie beide wie Kinder ansah.
Sie saß ruhend in einem der biegsamen Rohrsessel und horchte. Was sie hörte, war eine vierhändig gespielte Ouvertüre, die sie gewiß nicht zum ersten Mal vernahm, deren Namen sie aber nicht hätte sagen können; denn so gern sie Musik hörte, verstand sie doch wenig davon. Sie wußte, nachher würde der Alte oder der Bub beim Herauskommen fragen: „Tante, was war das für ein Stück?“ Dann würde sie sagen „von Mozart“ oder „aus Carmen“, und dafür ausgelacht werden, denn es war immer etwas anderes gewesen.