„Ich red’ nur, was in der Ordnung ist, und du wirst sehen, daß ich ganz recht hab’, wenn du auch jetzt nicht dran glauben willst. Es tut mir ja leid, du, es tut mir wirklich so leid.“
„Tut’s dir? — Tine, ich will ja nichts sagen, du sollst ja ganz recht haben — — aber daß das alles so auf einmal aufhören soll, alles —“
Er kam nicht weiter, und sie legte ihm die Hand auf die zuckende Schulter und wartete still, bis sein Weinen nachließ.
„Hör mich,“ sagte sie dann entschlossen. „Du mußt mir jetzt versprechen, daß du brav und gescheit sein willst.“
„Ich will nicht gescheit sein! Tot möcht’ ich sein, lieber tot, als so — —“
„Du, Karl, tu nicht so wüst! Schau, du hast früher einmal einen Kuß von mir haben wollen — weißt noch?“
„Ich weiß.“
„Also. Jetzt, wenn du brav sein willst — sieh, ich mag doch nicht, daß du nachher übel von mir denkst; ich möcht’ so gern im Guten von dir Abschied nehmen. Wenn du brav sein willst, dann will ich dir den Kuß heut geben. Willst du?“
Er nickte nur und sah sie aus verweinten Augen ratlos an. Und sie trat dicht zu ihm hin und gab ihm den Kuß, und der war still und ohne Gier, rein gegeben und genommen. Zugleich nahm sie seine Hand und drückte sie leise, dann ging sie schnell durchs Tor in den Hausgang und davon.
Karl Bauer hörte ihre Schritte im Gang schallen und verklingen; er hörte, wie sie das Haus verließ und über die Vortreppe auf die Straße ging. Er hörte es, aber er dachte an andre Dinge.