Ich erzählte, von den Knabenzeiten her, wie es mir mit der Musik gegangen war, und erzählte vom vergangenen Sommer, von meiner Flucht in die Berge und von dem Lied und der Sonate.
»Ja,« sagte er langsam. »Aber warum macht Ihnen das nun Freude? Man kann einen Schmerz doch nicht aufs Papier schreiben und damit los sein.«
»Das will ich auch nicht,« meinte ich. »Ich möchte gar nichts hergeben und los sein als die Schwäche und Unfreiheit. Ich möchte empfinden, daß der Schmerz und die Freude aus der gleichen Quelle kommen und Bewegungen derselben Kraft und Takte derselben Musik sind, jedes schön und notwendig.«
»Mann,« rief er heftig, »Sie haben doch ein Bein verloren! Können Sie denn das über der Musik vergessen?«
»Nein, warum? Anders machen kann ich es doch nimmer.«
»Und macht Sie das nicht verzweifelt?«
»Es freut mich nicht, das können Sie glauben, aber ich hoffe, zum Verzweifeln bringt es mich nimmer.«
»Dann sind Sie glücklich. Ich gäbe zwar kein Bein her um so ein Glück. Also so ist das mit Ihrer Musik? Sieh, Marion, das ist der Zauber der Kunst, von dem so viel in Büchern steht.«
Zornig rief ich ihn an: »Reden Sie doch nicht so! Sie selber singen doch auch nicht bloß um Ihre Gage, sondern haben eine Freude und einen Trost daran! Warum verspotten Sie mich und sich selber? Ich finde das roh.«
»Still, still!« machte Marion, »sonst wird er bös.«