»Dort stehen Droschken,« sagte ich, denn es war mir peinlich, daß sie sich meinem lahmen Schritt anbequemen sollte, und ich litt darunter, neben der warmen, kraftvoll schlanken Frau einher zu hinken.

»Nein,« meinte sie, »wir wollen noch eine Straße weit gehen.« Und sie gab sich Mühe, recht langsam zu gehen, und wenn es nur auf mein Verlangen angekommen wäre, ich hätte sie noch enger an mich gezogen. So aber zerriß mich Qual und Zorn, ich machte ihren Arm aus meinem los, und als sie mich erstaunt ansah, sagte ich: »Es geht nicht gut so, ich muß allein gehen, verzeihen Sie.« Und sie ging sorgsam und mitleidig neben mir, und mir fehlte nichts als ein aufrechter Gang und das Bewußtsein der körperlichen Sicherheit, so hätte ich von allem, was ich tat und sagte, das Gegenteil gesagt und getan. Ich wurde still und schroff, es war nicht anders zu machen, sonst hätte ich wieder Tränen in die Augen bekommen und mich danach gesehnt, ihre Hand auf meinem Kopf zu fühlen. Am liebsten wäre ich in die nächste Seitengasse entflohen. Ich wollte nicht, daß sie langsam ging, daß sie mich schonte, daß sie Mitleid mit mir hatte.

»Sind Sie ihm böse?« fing sie schließlich an.

»Nein. Es war dumm von mir. Ich kannte ihn ja noch kaum.«

»Er tut mir leid, wenn er so ist. Er hat Tage, wo man ihn fürchten muß.«

»Sie auch?«

»Ich am meisten. Dabei tut er niemand weher als sich selber. Er haßt sich manchmal.«

»Ach, er macht sich interessant!«

»Was sagen Sie?« rief sie erschrocken.

»Daß er ein Komödiant ist. Was braucht er sich und andere zu verhöhnen? Was braucht er die Erlebnisse und Geheimnisse eines Fremden hervorzuziehen und lächerlich zu machen, das Lästermaul!«