»Ja. Was ist es denn?«
»Wie? Ach so, es ist immer noch der Fuß. Er war falsch behandelt, sagen wir alle. Auf einmal kamen Schmerzen, der Herr hat schrecklich geschrieen. Da wurde er ins Spital gebracht. Jetzt ist es Blutvergiftung. Um zwei Uhr dreißig haben wir Ihnen gestern depeschiert.«
»Ja, danke. Nun lassen Sie mir schnell ein Butterbrot und ein Glas Wein bringen, und einen Wagen, bitte.«
Man lief und flüsterte, und es wurde wieder still, dann gab mir jemand einen Teller und ein Glas, ich aß Brot und trank Wein, ich stieg in einen Wagen, ein Pferd schnob, und bald stand ich an der Spitalpforte, wo Schwestern mit weißen Hauben und Wärter mit blaugestreiften Leinenanzügen durch den Korridor liefen. Man nahm mich an der Hand und zog mich in ein Zimmer, aufschauend sah ich meine Mutter in Tränen nicken und in einem eisernen, niedern Bett meinen Vater liegen, verändert und klein, und sein kurzer, grauer Bart stand sonderbar in die Luft.
Er lebte noch, er machte die Augen auf und erkannte mich trotz des Fiebers.
»Immer noch Musik machen?« sagte er leise, und Stimme und Blick war ebenso gütig wie spöttisch. Er blinkte mir zu mit einer müden, ironischen Weisheit, die nichts mehr zu sagen hat, und mir war, er schaue mir ins Herz und sehe und wisse alles.
»Vater,« sagte ich. Aber er lächelte nur, blickte noch einmal halb spöttisch, doch mit schon zerstreutem Blick, und schloß die Augen wieder.
»Wie siehst du aus!« sagte die Mutter, als sie mich umarmte. »Hat es dich so mitgenommen?«
Ich konnte nichts sagen, gleich darauf kam ein junger Arzt, und bald hinter ihm ein alter, der Sterbende bekam Morphium und tat die klugen Augen, die jetzt so überlegen und allwissend schauen konnten, nicht mehr auf. Wir saßen bei ihm und sahen ihn liegen, und sahen ihn ruhigwerden und sein Gesicht verändern, und warteten auf sein Ende. Er lebte noch manche Stunde dahin und starb am späten Nachmittag. Ich empfand nichts mehr, als dumpfes Leid und tiefe Müdigkeit, saß mit heißen, trockenen Augen und schlief gegen Abend am Totenbette sitzend ein.