»Ja, es tut mir auch leid,« fuhr ich bedauernd fort. »Nun, für Sie war diese Zeit immerhin anstrengend. Sie haben sich des ganzen Hauses so freundlich und sorglich angenommen, daß ich nicht genug danken kann.«
»Aber ich, was soll – – – wohin soll ich – –«
»Nun, das wird sich ja finden. Sie müssen sich eben wieder eine Wohnung suchen, es eilt natürlich nicht so sehr. Sie werden sich selber freuen, es wieder stiller zu haben.«
Sie war aufgestanden. Ihr Ton war noch höflich, aber bedenklich scharf.
»Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll,« rief sie erbittert. »Ihre Mutter, Herr, hat mir versprochen, mich hier wohnen zu lassen. Es war eine feste Abmachung; und jetzt, wo ich mich des Hauses angenommen und Ihrer Mutter in allem geholfen habe, jetzt setzt man mich auf die Straße!«
Sie begann zu schluchzen und wollte fortlaufen. Doch hielt ich sie an ihrer mageren Hand zurück und setzte sie wieder in ihren Sessel.
»So schlimm ist es nicht,« sagte ich lächelnd. »Daß meine Mutter von hier wegziehen will, ändert eben die Verhältnisse ein wenig. Übrigens ist der Verkauf des Hauses nicht von ihr beschlossen, sondern von mir, denn ich bin der Besitzer. Daß Sie sich beim Aussuchen einer neuen Wohnung nicht beschränken und die Sorge dafür ihr überlassen, setzt meine Mutter voraus. Sie haben es dann bequemer als bisher, und sind doch noch gewissermaßen ihr Gast.«
Es kamen nun die erwarteten Einwände, der Stolz, das Weinen, das mit Bitten abwechselnde Großtun, und am Ende merkte die Schmollende, daß hier Nachgeben das Klügste sei. Doch zog sie sich auf dieses hin in ihr Zimmer zurück und ließ sich auch zum Kaffee nicht sehen. Meine Mutter meinte, wir sollten ihr diesen aufs Zimmer schicken, doch wollte ich nach all der Höflichkeit auch meine Rache haben und ließ Fräulein Schniebel in ihrem Trotz verharren bis zum Abend, wo sie denn still und grämlich, doch pünktlich zur Mahlzeit erschien.
»Ich muß leider schon morgen wieder nach R. fahren,« sagte ich während des Abendessens. »Solltest du mich aber brauchen, Mama, so kann ich ja immer schnell herfahren.«
Ich sah dabei nicht meine Mutter, sondern ihre Cousine an, und sie merkte, wie es gemeint sei. Mein Abschied von ihr war kurz und meinerseits beinahe herzlich.