»Die haben wir streichen müssen,« sagte ich lächelnd.

»Die Flöte? Gestrichen? Ja warum denn? So eine Viecherei! Paß auf, die verdudeln dir deine ganze Ouvertüre.«

Ich mußte lachen und ihn mit Gewalt zurückhalten, so wild ging er ins Zeug. Aber bei seiner Lieblingsstelle in der Ouvertüre, wo Bratschen und Celli einsetzten, lehnte er mit geschlossenen Augen zurück, drückte meine Hand krampfhaft und flüsterte nachher beschämt: »Ja, das hat mir fast nasse Augen gemacht. Sakrisch fein ist's.«

Die Sopranrolle hatte ich noch nicht singen hören. Nun war es mir merkwürdig und wehmütig, sie zum erstenmal von einer fremden Stimme zu vernehmen. Die Sängerin machte es gut und ich sagte ihr sogleich meinen Dank, aber im Herzen dachte ich an die Nachmittage, da Gertrud diese Worte gesungen hatte, und hatte ein Gefühl uneingestandenen traurigen Mißbehagens, wie wenn man ein liebes Besitztum weggegeben hat und nun zum erstenmal in fremden Händen sieht.

Gertrud sah ich in diesen Tagen wenig, sie beobachtete mein Fieber lächelnd und ließ mich in Ruhe. Ich hatte mit den Teisers einen Besuch bei ihr gemacht, da hatte sie Brigitte, die zu der schönen, vornehmen Frau bewundernd aufsah, mit heiterer Zärtlichkeit aufgenommen. Seither schwärmte das Mädchen für die schöne Frau und sang ihr Lob, in das auch der Bruder einstimmte.

An die beiden Tage vor der Aufführung kann ich mich nicht mehr genau erinnern, es war alles in mir durcheinander geraten. Dazu kamen andere Aufregungen, ein Sänger wurde heiser, ein anderer war beleidigt, keine größere Rolle zu haben, und benahm sich bei den letzten Proben sehr übel, der Dirigent wurde immer gemessener und kälter, je mehr ich noch zu sagen hatte. Muoth stand mir gelegentlich bei, lächelte seelenruhig zu dem Tumult und war mir in dieser Lage mehr wert als der gute Teiser, der wie ein Feuerteufel hin und wider fuhr und überall zu mäkeln hatte. Brigitte sah mich ehrfurchtsvoll, doch auch mit einigem Bedauern an, wenn wir in ruhigen Stunden gedrückt und ziemlich schweigsam im Hotel beisammen saßen.

Nun, die Tage vergingen und es kam der Abend der Aufführung. Während sich das Haus füllte, stand ich hinter der Bühne, ohne doch mehr das Geringste tun oder raten zu können. Schließlich hielt ich mich zu Muoth, der schon im Kostüm war und in einem Stübchen oder Winkel abseits des Lärmens langsam eine halbe Flasche Champagner leerte.

»Willst du ein Glas?« fragte er teilnehmend.

»Nein,« sagte ich. »Regt dich denn das nicht auf?«

»Was? Der Spektakel draußen? Das ist immer so.«