„Du weißt,“ fiel Aber ein, „Schnaps verträgt er nicht. Der Benediktiner —“ Lauscher stieß durch die Zähne einen langen Pfiff.

„Halts Maul, Aberchen! Überhaupt fragt man nicht so dumm, Säbelwetzer.“ Er trank ein neues Glas an. „Ihr seid eigentlich doch eine Schweinebande, liebe Freunde,“ fuhr er dann langsam und ernsthaft fort, „und mich wunderts selber, daß ich allemal wieder bei euch bin.“

Elenderle lachte und trank dem Dichter zu.

„Aber was tun? Ihr seid wenigstens bloß langweilig und im übrigen gute Brüder.“

„Hm — hm —“

„Ja, brummt nur! Oder hat vielleicht einer von euch etwas anderes an Geist zu verbrauchen, als die übrigen Brocken aus seiner Fuchsenzeit? Oder hat einer von euch eine Ahnung von Humor, von Philosophie, von Kunst? Oder —“

„Na hör mal,“ lachte der Kandidat Aber, „eh du so proletest, sei doch so gut und serviere uns einmal deine Kunst, deine Philosophie, deinen Humor! Er muß anderswo als in deinen sentimentalen Versen stecken —“

„Das tut er auch. Was Verse! Daß ich hier sitze und euren Wein mit euch trinke und eure desperaten Schädel betrachte, während ich Gold, Silber, Paläste, Märchen und Kleinode in mir liegen habe, das ist der Humor. Was verbummelt ihr? Was ersäuft ihr? Ein Examen, ein bißchen Vermögen, ein Ämtchen, in dem ihr euch geschunden und gelangweilt hättet. Warum? Weil es euch dämmert, daß es sich um solches Zeug nicht zu leben lohnt. Und ich? Schluck um Schluck ersäufe ich ein Stück blauen Poetenhimmel, eine Provinz meiner Phantasie, eine Farbe von meiner Palette, eine Saite von meiner Harfe, ein Stück Kunst, ein Stück Ruhm, ein Stück Ewigkeit. Warum? Weil es sich auch um alles das nicht zu leben lohnt. Weil es sich überhaupt nicht lohnt zu leben; denn Leben ohne Zweck ist öd und leben mit Zweck ist eine Plage.“

Elenderle lachte fortwährend. Aber nahm einen langen Schluck und sagte gutmütig: „Trink, Lauscher, und mach uns nix Blaues vor!“

„Aber sag,“ redete er darauf Elenderle an, „was machst du denn jetzt eigentlich? Weiß dein Alter schon?“