Wie wenn aus leisen Geigen

Ein Heimwehzauber lockend zieht . . .

Hamelt lenkte die Aufmerksamkeit der beiden andern ganz von der Fortsetzung des Liedes ab. „Prinzessin Lilia . . . Silberlied . . . Der alte Reigen . . .“ wiederholte er immer wieder, schüttelte den Kopf, rieb sich die Stirn, stierte leer in die Luft und heftete sodann den Blick glühend und heftig auf den Dichter. Lauscher war mit dem Lesen zu Ende und begegnete aufschauend diesem Blicke.

„Was ist?“ rief er verwundert. „Willst du den Blick der Klapperschlange an mir armem Vogel versuchen?“

Hamelt erwachte wie aus einem tiefen Traum. „Woher hast du dieses Lied?“ fragte er tonlos den Dichter. Lauscher zuckte die Achseln. „Woher ich alle habe,“ sagte er.

„Und die Prinzessin Lilia?“ fragte Hamelt wieder. „Und der alte Reigen? Siehst du denn nicht, daß dieses Lied das einzige echte ist, das du gedichtet hast? Alle deine andern Gedichte . . .“ Lauscher unterbrach ihn schnell.

„Schon gut; aber in der Tat,“ fuhr er fort, „in der Tat, liebe Freunde, ist dieses Lied mir selber ein Rätsel. Ich saß und dachte nichts und glaubte nur, nach meiner Gewohnheit, aus Langeweile Figuren und Zierbuchstaben auf das Blatt zu kritzeln, und als ich aufhörte, stand das Lied auf dem Papier. Es ist eine ganz andere Hand, als ich sonst schreibe, sehet nur!“

Damit gab er das Blatt dem zunächst sitzenden Erich in die Hände. Der hielt es vors Auge, erstaunte höchlich, sah noch einmal schärfer hin und sank alsdann mit dem lauten Ausruf: „Lulu!“ in den Stuhl zurück. Ugel und Hamelt stürzten hinzu und schauten auf das Papier. „Alle Wetter!“ rief Ugel aus; Hamelt aber hatte sich ins Kanapee zurückgelehnt und betrachtete das merkwürdige Blatt mit allen Zeichen des maßlosesten Erstaunens. Höchste Freude und unheimliche Befremdung wechselten auf seinem Gesicht.

„Nun sag mir, Lauscher,“ rief er endlich aus, „ist dies unsere Lulu oder ist es die Prinzessin Lilia?“

„Unsinn!“ rief ärgerlich der Dichter. „Gib mir’s her!“