„Also, was willst du?“

Du bist unersättlich. Was hab ich dir getan?

„Frag nicht! Frag nicht!“

So will ich dir erzählen. Willst du?

„Von den sieben Prinzessinnen?“

Nein. Von einem Garten im Schwarzwald, wo ein kleiner Knabe mit einem kleinen Mädchen unter den blauen Fliedern saß. Der Knabe hatte das Mädchen lieb, und als sie beide größer geworden waren, an einem Abend im warmen Juni, hingen sie mit roten heißen Lippen aneinander. —

„Weiter! Und dann —?“

Dann kam eine fremde schlanke Frau mit dunkelgroßen Augen, ganz wie du sie hast. Die sang so schön und war so fremd und lockend, daß der Knabe sein liebes Nachbarkind vergaß. Er ging mit der fremden Frau in ein anderes Land, wo die Sterne größer und die Nächte blauer sind. Sie bauten sich ein helles Schloß und darin einen Saal mit Porphyrsäulen, darin ein ewiger Brunnen in eine bronzene Muschelschale klang. Dort sitzen sie nun bei dem Brunnen und sehen den Mond im Wasser verleuchten. Sie haben kühle Hände ineinander gelegt und reden kühle Worte zu einander, und ich glaube, daß jedes von den beiden Heimweh hat. Wenigstens der Knabe, der inzwischen alt und anders geworden ist. Ich weiß, daß er an seine Heimat denkt und daß eine verjährte, knabenhafte Untreue durch sein Leben geht wie ein feiner Sprung durch klares Glas.

„Das ist eine traurige Geschichte. Ist sie zu Ende?“

Noch nicht. Und ich glaube, der Schluß wird das traurigste sein. Glaubst du nicht auch?