Plötzlich fing sie an zu singen: »Bald gras’ ich am Neckar, bald gras’ ich am Rhein.« Ihre Stimme klang warm und rein, und beim zweiten Vers fiel Knulp mit ein und sang die zweite Stimme so sicher, tief und schön, daß sie mit Behagen darauf horchte.

»So, ist jetzt das Heimweh vergangen?« fragte er am Ende.

»O ja,« lachte sie hell. »Wir müssen wieder einmal so einen Spaziergang machen.«

»Das tut mir leid,« antwortete er leiser. »Es wird wohl der letzte gewesen sein.«

Da blieb sie stehen. Sie hatte nicht genau zugehört, aber der betrübte Klang seiner Worte war ihr aufgefallen.

»Ja, was ist denn?« fragte sie leicht erschrocken. »Habt Ihr was gegen mich?«

»Nein, Bärbele. Aber morgen muß ich fort, ich habe gekündigt.«

»Was Ihr nicht saget! Ist’s wahr? Das tut mir aber leid.«

»Um mich muß es Euch nicht leid sein. Lang wär’ ich doch nicht geblieben, und ich bin ja auch bloß ein Gerber. Ihr müsset bald einen Schatz haben, einen recht schönen, dann kommt das Heimweh nimmer, Ihr werdet sehen.«

»Ach, redet nicht so! Ihr wisset, daß ich Euch ganz gern habe, wenn Ihr auch nicht mein Schatz seid.«