Aber Knulp schüttelte energisch den scharfen Kopf.

»Nein, gar nicht. Ich möchte heut noch meine rechte Hand drum geben, wenn das anders gegangen wäre. Sag mir nichts über die Franziska, ich lasse nichts auf sie kommen. Und wenn es richtig gegangen wäre, dann hätte ich die Liebe auf eine schöne und glückliche Art kennen gelernt, und vielleicht hätte mir das geholfen, daß ich auch mit der Volksschule und mit meinem Vater im guten zurecht gekommen wäre. Denn – wie soll ich’s sagen? – schau, seither habe ich manche Freunde und Bekannte und Kameraden und auch Liebschaften gehabt; aber ich habe nie mehr mich auf das Wort eines Menschen verlassen oder mich selber durch ein Wort gebunden. Niemals mehr. Ich habe mein Leben gehabt, wie es mir paßte, und es hat mir nicht an Freiheit und an Schönem gefehlt, aber ich bin doch immer allein geblieben.«

Er griff nach dem Glase, sog mit Sorgfalt den letzten kleinen Schluck Wein und stand auf.

»Wenn du erlaubst, leg ich mich wieder hin, ich mag nimmer davon reden. Du hast gewiß auch noch zu tun.«

Der Doktor nickte.

»Noch etwas, du! Ich will heut um einen Platz im Spital für dich schreiben. Es paßt dir vielleicht nicht, aber da ist nichts zu ändern. Du gehst kaputt, wenn du nicht schnell in eine Pflege kommst.«

»Ach was,« rief Knulp mit ungewohnter Heftigkeit, »so laß mich halt kaputt gehen! Es nützt ja doch nichts mehr, das weißt du selber. Warum soll ich mich jetzt noch einsperren lassen?«

»Nicht so, Knulp, sei doch vernünftig! Ich wäre ein miserabler Doktor, wenn ich dich so herumlaufen ließe. In Oberstetten fänden wir sicher Platz für dich, und du kriegst extra einen Brief von mir mit, und nach acht Tagen komm ich selber einmal und seh nach dir. Ich verspreche dir’s.«

Der Landstreicher sank auf seinen Sitz zurück, es schien fast, als wäre er nahe am Weinen, und rieb seine dünnen Hände ineinander wie ein Frierender. Dann sah er dem Doktor flehentlich und kindlich in die Augen.

»Also denn,« sagte er ganz leise. »Es ist ja nicht recht von mir, du hast so viel für mich getan, und sogar Rotwein – es war alles viel zu gut und fein für mich. Du mußt mir nicht bös sein, ich habe noch eine große Bitte an dich.«