Machold klopfte ihm begütigend auf die Schulter.
»Sei gescheit, Alter! Es will dir niemand an den Kragen. Also, was ist’s?«
»Bist du mir nicht bös?«
»Gar nicht. Warum auch?«
»Dann bitt ich dich, Machold, dann mußt du mir einen großen Gefallen tun. Schick mich nicht nach Oberstetten! Wenn ich doch in so einen Spittel muß, dann möcht ich wenigstens nach Gerbersau, da kennt man mich, und ich bin dort daheim. Vielleicht ist es auch wegen der Armenpflege besser, ich bin ja dort geboren, und überhaupt –«
Seine Augen bettelten mit Inbrunst, er konnte vor Erregung kaum sprechen.
Er hat Fieber, dachte Machold. Und er sagte ruhig: »Wenn das alles ist, was du zu bitten hast – das wird bald in Ordnung sein. Du hast ganz recht, ich will nach Gerbersau schreiben. Geh du jetzt und lege dich hin, du bist müd und hast zuviel gesprochen.«
Er sah ihm nach, wie er schleppend ins Haus ging, und mußte plötzlich an den Sommer denken, da Knulp ihn im Forellenfangen unterrichtet hatte, an seine kluge, beherrschende Art, mit Kameraden umzugehen, an die hübsche zwölfjährige Glut des rassigen Buben.
»Armer Kerl,« dachte er mit einer Rührung, die ihn störte, und erhob sich rasch, um an die Arbeit zu gehen.
Der nächste Morgen brachte Nebel, und Knulp blieb den ganzen Tag im Bett. Der Doktor legte ihm einige Bücher hin, die er aber kaum berührte. Er war verdrossen und bedrückt, denn seit er Sorgfalt, Pflege, gutes Bett und zarte Kost genoß, spürte er deutlicher als zuvor, daß es mit ihm zu Ende gehe.