»So, wo denn? Ist Ihr Herr Vater Wirt?«

»Nein, der ist schon lang unterm Boden, ich hab ihn kaum mehr gekannt. Aber ich habe ein paar Jahre lang im Ochsen serviert, wenn Sie den kennen.«

»Im Ochsen? Der ist früher das feinste Gasthaus von Lächstetten gewesen,« lobte Knulp.

»Das ist er auch noch. Gelt, Emil? Wir haben fast nur Handlungsreisende und Turisten im Logis gehabt.«

»Ich glaub’s, Frau Meisterin. Da haben Sie’s sicher gut gehabt und was Schönes verdient! Aber ein eigener Haushalt ist doch besser, gelt?«

Langsam und genießerisch strich er die weiche Wurst auf sein Brot, legte die reinlich abgezogene Haut auf den Rand des Tellers und nahm zuweilen einen Schluck von dem guten gelben Apfelmost. Der Meister sah mit Behagen und Respekt ihm zu, wie er mit den schlanken feinen Händen das Notwendige so sauber und spielend tat, und auch die Hausfrau nahm es mit Gefallen wahr.

»Extra gut aussehen tust du aber nicht,« begann im weiteren Emil Rothfuß zu tadeln, und jetzt mußte Knulp bekennen, daß es ihm neuestens schlecht gegangen und daß er im Krankenhaus gewesen sei. Doch verschwieg er alles Peinliche. Als ihn darauf sein Freund fragte, was er denn jetzt anzufangen denke, und ihm mit Herzlichkeit Tisch und Lager für jede Dauer anbot, da war dies zwar genau das, was Knulp erwartet und womit er gerechnet hatte, aber er wich wie in einer Anwandlung von Schüchternheit aus, dankte flüchtig und verschob das Besprechen dieser Dinge bis morgen.

»Über das können wir morgen oder übermorgen auch noch reden,« meinte er nachlässig, »die Tage gehen ja gottlob nicht aus, und eine kleine Weile bleib ich auf alle Fälle hier.«

Er machte nicht gern Pläne oder Versprechungen auf lange Zeit. Wenn er nicht die freie Verfügung über den kommenden Tag in der Tasche hatte, fühlte er sich nicht wohl.

»Falls ich wirklich eine Zeitlang hierbleiben sollte,« begann er dann wieder, »so mußt du mich als deinen Gesellen anmelden.«