In diesen bösen Tagen, als er nach einer überhitzten Arbeitszeit plötzlich vereinsamt und unbeschäftigt sich selber überlassen blieb, kam wenigstens einer, um ihm zuzusprechen, das war der Schlotzer, Kömpffs ehemaliger Lehrherr aus Deltingen. Der fromme Handelsmann, den Walter früher noch einigemal besucht, nun aber seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, war alt und weiß geworden und es war eine Heldentat von ihm, daß er noch die Reise nach Gerbersau gemacht hatte.

Er trug einen langschößigen braunen Gehrock und führte ein ungeheures, blau und gelb gemustertes Schnupftuch bei sich, auf dessen breitem Saum Landschaften, Häuser und Tiere abgebildet waren.

„Darf man einmal reinsehen?“ fragte er beim Eintritt in die Wohnstube, wo der Einsame gerade müd und ratlos in der großen Bibel blätterte. Dann nahm er Platz, legte den Hut und das Schnupftuch auf den Tisch, zog die Rockschöße über den Knieen zusammen und schaute seinem alten Lehrling prüfend in das blasse, unsichere Gesicht.

„Also Sie sind jetzt Privatier, hört man sagen?“

„Ich habe das Geschäft aufgegeben, ja.“

„So, so. Und darf man fragen, was Sie jetzt vorhaben? Sie sind ja, vergleichsweise gesprochen, noch ein junger Mann.“

„Ich wär’ froh, wenn ich’s wüßte. Ich weiß nur, daß ich nie ein rechter Kaufmann gewesen bin, drum hab’ ich aufgehört. Ich will jetzt sehen, was sich noch gut machen läßt an mir.“

„Wenn ich sagen darf, was ich meine, so scheint mir, das sei zu spät.“

„Kann es zum Guten auch zu spät sein?“

„Wenn man das Gute kennt, nicht. Aber so ins Ungewisse den Beruf aufgeben, den man gelernt hat, ohne daß man weiß, was nun anfangen, das ist unrecht. Ja, wenn Sie das als junger Bursch getan hätten!“