„Es hat eben lang gebraucht, bis ich zum Entschluß gekommen bin.“
„Es scheint so. Aber ich meine, für so langsame Entschlüsse ist das Leben zu kurz. Sehen Sie, ich kenne Sie doch ein wenig und ich weiß gut, daß Sie es schwer gehabt haben und nicht ganz ins Leben hinein passen. Es gibt mehr solche Naturen. Sie sind Kaufmann geworden Ihrem Vater zulieb, nicht wahr? Jetzt haben Sie Ihr Leben verpfuscht und haben das, was Ihr Vater wollte, doch nicht getan.“
„Was? Auf die Zähne beißen und aufrecht bleiben. Ihr Leben schien Ihnen verfehlt und war es vielleicht, aber ist es jetzt im Gleis? Sie haben ein Schicksal, das Sie auf sich genommen hatten, von sich geworfen, und das war feig und unklug. Sie sind unglücklich gewesen, aber Ihr Unglück war anständig und hat Ihnen Ehre gemacht. Auf das haben Sie verzichtet, nicht etwas Besserem zulieb, sondern bloß, weil Sie es müde waren. Ist es nicht so?“
„Vielleicht wohl.“
„Also. Und darum bin ich hergereist und sage Ihnen: Sie sind untreu geworden. Aber bloß zum Schelten hätte ich mit meinen alten Beinen den Weg hierher doch nicht gemacht. Drum sage ich, machen Sie’s wieder gut so bald wie möglich.“
„Wie soll ich das?“
„Hier in Gerbersau können Sie nicht wieder anfangen, das sehe ich ein. Aber anderswo, warum nicht? Übernehmen Sie wieder ein Geschäft, es braucht ja kein großes zu sein, und machen Sie Ihres Vaters Namen wieder Ehre. Von heut auf morgen geht’s ja nicht, aber wenn Sie wollen, helfe ich suchen. Soll ich?“
„Danke vielmal, Herr Leckle. Ich will mir’s bedenken.“
„Aber bald, nicht? Und dann kommen Sie oder schreiben mir gleich?“