„Ich sehe es. Ich will nun wissen, was es ist! Ihr behandelt ihn ja fast wie einen Todkranken, du und der Doktor. Was hat er dir gesagt?“
„Er hat mir gesagt, es stehe schlimm und wir müßten sehr für ihn Sorge tragen. Es ist eine Art Entzündung in seinem armen Kopf. Wir wollen morgen den Doktor bitten, daß er uns mehr sagt.“
Sie lehnte sich an einen Bücherschrank und griff mit der Hand über sich in die Falten des grünen Vorhanges. Da sie schwieg, blieb er geduldig stehen, sein Gesicht war grau und seine Augen sahen entzündet aus. Er zitterte schwach mit den Händen, doch stand er beherrscht und hatte eine Art von Lächeln, einen seltsamen Schimmer von Ergebung, Geduld und Höflichkeit im Gesicht.
Langsam kam sie zu ihm herüber. Sie legte ihm die Hand auf den Arm und schien in den Knien schwach zu werden. Ganz leise flüsterte sie: „Du glaubst, daß er sterben muß?“
Veraguth hatte noch immer das schwache, törichte Lächeln um den Mund, aber es liefen ihm kleine, hastige Tränen übers Gesicht. Er nickte nur schwach mit dem Kopf, und da sie an ihm niederglitt und den Halt verlor, hob er sie auf und half ihr auf einen Stuhl.
„Man kann es ja nicht sicher wissen,“ sagte er langsam und schwerfällig, als wiederhole er mit Ekel eine alte Lektion, die ihm längst überdrüssig geworden wäre. „Man darf den Mut nicht verlieren.“
„Man darf den Mut nicht verlieren,“ wiederholte er nach einer Weile mechanisch, da sie wieder Kraft gewann und sich aufrecht setzte.
„Ja,“ sagte sie, „ja, du hast recht.“ Und wieder nach einer Pause: „Es kann nicht sein. Es kann nicht sein.“
Und plötzlich stand sie wieder aufrecht, hatte Leben in den Augen und alle Züge voll Verständnis und Trauer.
„Nicht wahr,“ sagte sie laut, „du wirst nicht zurückkommen? Ich weiß es. Du willst uns verlassen?“