„Ihr müßt mir helfen. Ich will artig sein, immer, ihr dürft mich nicht schelten! Nicht wahr, ihr scheltet mich nie? Du mußt es auch Albert sagen.“

Seine Lider zitterten und öffneten sich wieder, aber der Blick war dunkel und die Pupillen übergroß.

„Schlafe, Kind, schlaf nur! Du bist müde. Schlafe, schlafe, schlafe.“

Veraguth schloß ihm vorsichtig die Lider und summte ihn ein, wie er es früher in Pierres Babyzeiten manchmal getan hatte. Und der Kleine schien einzuschlafen.

Nach einer Stunde kam die Pflegerin, um Veraguth zu Tische zu bitten und inzwischen bei Pierre zu bleiben. Er ging ins Speisezimmer, nahm still und zerstreut einen Teller Suppe und hörte kaum, was neben ihm gesprochen wurde. Das angstvoll zärtliche Liebesgeflüster des Kindes klang süß und traurig in ihm fort. Ach wie viel hundertmal hätte er so mit Pierre reden und das naive Vertrauen seiner sorglosen Liebe spüren können, und hatte es nicht getan!

Mechanisch griff er nach der Flasche, um sich Wasser einzuschenken. Da klang von Pierres Zimmer schneidend ein lauter, gellender Schrei herüber, der riß Veraguths wehmütigen Traum mitten durch. Alle sprangen mit erbleichten Gesichtern empor, die Flasche fiel um, rollte über den Tisch und klirrte zu Boden.

Mit einem Sprung war Veraguth aus der Türe und drüben.

„Den Eisbeutel!“ rief die Pflegerin.

Er hörte nichts. Nichts als den furchtbaren, verzweifelnden Schrei, der ihm im Bewußtsein stak wie ein Messer in der Wunde. Er stürzte ans Bett.

Da lag Pierre schneeweiß mit gräßlich verzogenem Munde, seine abgemagerten Glieder krümmten sich in wütenden Krämpfen, die Augen stierten in vernunftlosem Entsetzen. Und plötzlich tat er nochmals einen Schrei, noch wilder und heulender, und bäumte sich hoch im Bogen auf, daß die Bettstatt zitterte, ließ sich fallen und bog sich wieder empor, vom Schmerz gespannt und zusammengebogen wie eine Gerte von zornigen Knabenhänden.