„Viele Dinge kann man nicht wissen,“ sagte Burkhardt freundlich. „Vieles kann man nur sehen und muß damit zufrieden sein, daß es so hübsch ist. Wenn du einmal zu mir nach Indien kommst, da fährst du viele Tage lang immer auf einem großen Schiff, und vor dem Schiffe her tauchen lauter kleine Fische auf, die haben kleine gläserne Flügel und können fliegen. Und manchmal kommen auch Vögel, die sind furchtbar weit von fremden Inseln hergeflogen und sind ganz müde und setzen sich auf das Schiff und sind verwundert, daß da so viele fremde Leute auf dem Meer herumfahren. Die möchten uns auch gerne verstehen und uns fragen, wo wir herkommen und wie wir heißen, aber es geht nicht, und da sieht man sich eben in die Augen und nickt mit dem Kopf, und wenn der Vogel ausgeruht hat, dann schüttelt er sich und fliegt wieder weg übers Meer.“
„Weiß man denn gar nicht, wie diese Vögel heißen?“
„O doch, das weiß man schon. Aber es sind Namen, die ihnen die Menschen gegeben haben, und wie sie selber zueinander sagen, das kann man nicht wissen.“
„Onkel Burkhardt kann fein erzählen, Papa. Ich möchte auch einen Freund haben. Albert ist schon zu groß. Die meisten Menschen verstehen ja gar nicht recht, was man sagt und will, aber Onkel Burkhardt versteht mich gleich.“
Ein Hausmädchen kam, den Kleinen abzuholen. Bald darauf war es Abendessenszeit und die Herren gingen ins Haus. Veraguth war schweigsam und verstimmt. Im Speisezimmer trat ihm sein Sohn entgegen und gab ihm die Hand.
„Guten Tag, Papa.“
„Guten Tag, Albert. Bist du gut gereist?“
„Danke, ja. Guten Abend, Herr Burkhardt.“
Der junge Mann war sehr kühl und korrekt. Er führte seine Mutter zu Tisch. Man aß, und das Gespräch ging fast nur zwischen Burkhardt und der Hausfrau. Es kam die Rede auf Musik.
„Darf ich fragen,“ wandte sich Burkhardt an Albert, „welche Art von Musik Sie besonders lieben? Allerdings bin ich da längst nicht mehr auf der Höhe und kenne die modernen Musiker wohl kaum dem Namen nach.“