„Waren sie reif?“
„Ja, natürlich. Du scheinst zu glauben, ich habe ihm absichtlich den Magen verdorben.“
Die Mutter bemerkte seine Gereiztheit und fragte: „Was habt ihr denn?“
„Nichts,“ sagte Albert.
Veraguth fuhr fort: „Ich glaube gar nichts, ich frage nur. Ist gestern gar nichts passiert? Hat er nie erbrochen? Oder ist er gefallen? Hat er nie über Schmerzen geklagt?“
Albert gab mit Ja und Nein knappe Auskunft und wünschte sehnlich, diese Mahlzeit möchte vorüber sein.
Als der Vater nochmals auf Zehenspitzen in Pierres Schlafzimmer ging, fand er ihn eingeschlafen. Das blasse Kindergesicht war voll von tiefer Ernsthaftigkeit und sehnlich inbrünstiger Hingabe an den tröstenden Schlaf.
Elftes Kapitel
An diesem unruhigen Tage malte Johann Veraguth sein großes Bild fertig. Erschreckt und im Herzen beunruhigt war er von dem kranken Pierre gekommen und es war ihm schwerer als je geworden, die in ihm arbeitenden Gedanken zu bändigen und jene vollkommene Ruhe zu finden, die das Geheimnis seiner Kraft war und die er so teuer bezahlen mußte. Aber sein Wille war stark, es gelang ihm, und das Bild bekam in den Stunden des Nachmittags, bei einem schönen, weichen Lichte, die letzten kleinen Korrekturen und Zusammenziehungen.
Als er die Palette weglegte und sich vor die Leinwand setzte, war ihm sonderbar öde zumut. Er wußte wohl, daß dies Bild etwas Besonderes sei und daß er damit viel gegeben habe. Sich selbst aber fühlte er leer und ausgebrannt. Und er hatte keinen Menschen, dem er sein Werk hätte zeigen können. Der Freund war weit weg, und Pierre war krank, und sonst hatte er niemanden. Wirkung und Widerhall seiner Arbeit würde er nur aus gleichgültiger Ferne zu spüren bekommen, aus Zeitungen und Briefen. Ach, das war nichts, das war weniger als nichts, der Blick eines Freundes oder der Kuß einer Geliebten hätte allein ihn jetzt freuen, belohnen und stärken können.