»Ja, gut. Und gelt, wenn du wieder zu deiner Braut kommst, sagst du viele Grüße von mir – an alle!«
»Ja, gern. Aber willst du nicht selber noch hingehen?«
»Ach, das geht jetzt nimmer. – Also morgen!«
Trotzdem überlegte er diesen und den ganzen folgenden Tag, ob er es nicht doch tun solle. Allein er fand nicht den Mut dazu. Was hätte er sagen und wie seine Abreise erklären sollen? Ohnehin überfiel ihn heute eine heillose Angst vor der Heimreise und vor seinem Vater, vor den Leuten daheim und aller Schande, der er entgegenging. Und er packte nicht, er fand nicht einmal den Mut, seiner Wirtin die Stube zu kündigen. Statt all dies Notwendige zu tun, saß er und füllte Bogen mit Entwürfen zu einem Brief an seinen Vater.
»Lieber Vater! Der Notar kann mich nicht mehr brauchen –«
»Lieber Vater! Da ich doch zum Notar nicht recht passe –«. Es war nicht leicht, das Schreckliche sanft und doch deutlich zu sagen. Aber es war immerhin leichter, diesen Brief zusammenzudichten als heimzufahren und zu sagen: Da bin ich wieder, man hat mich fortgejagt. Und so ward denn bis zum Abend der Brief wirklich fertig. Hatte der Sünder beim Schreiben und Wiederschreiben seine Vergehen oftmals überdenken und den bittern Trank der Scham und Reue leeren müssen, so hatte er im Verlauf doch auch Gelegenheit gefunden, die böse Sache von freundlicheren Seiten her zu betrachten und Balsam auf die Wunde zu streichen.
Dennoch war er am Abend mürbe und mitgenommen, und Kleuber fand ihn so milde und weich wie noch nie. Er hatte ihm, als ein Abschiedsgeschenk, eine kleine geschliffene Glasflasche mit edelm Odeur mitgebracht. Die bot er ihm hin und sagte: »Darf ich dir das zum Andenken mitgeben? Es wird schon noch in den Koffer gehen.« Indessen sah er sich um und rief verwundert: »Du hast ja noch gar nicht gepackt! Soll ich dir helfen?«
Ladidel sah ihn unsicher an und meinte: »Ja, ich bin noch nicht soweit. Ich muß noch auf einen Brief warten.«
»Das freut mich,« sagte Fritz vergnügt, »so hat man doch Zeit zum Adieusagen. Weißt du, wir könnten eigentlich heut Abend miteinander zu den Webers gehen. Es wäre doch schade, wenn du so wegreisen würdest.«
Dem armen Ladidel war es, als ginge eine Tür zum Himmel auf und würde im selben Augenblick wieder zugeschlagen. Er wollte etwas sagen, schüttelte aber nur den Kopf, und als er sich zwingen wollte, würgten die Worte ihn in der Kehle, und unversehens brach er vor dem erstaunten Fritz in ein Schluchzen aus.