Mit Verwunderung sah Agnes den Mann eintreten, um den sie mit einem Luftgespinste zu kämpfen hatte, und der nun etwas verlegen und wunderlich verändert vor ihr stand. Er trug nämlich die Tracht van Vlissens, Wams und Beinkleider von grobem Filztuch, statt steifgebügelter Wäsche ein Hemd aus naturfarbenem Linnen mit einem ziemlich breiten weichen Halskragen.
Agnes, die ihn nie anders als im schwarzen Besuchsrock oder im modischen Straßenanzug gesehen hatte, betrachtete ihn einen Augenblick mit Enttäuschung und Staunen, dann bot sie ihm einen Stuhl an und sagte mit einem kleinen Anklang von Spott: »Sie haben sich verändert, Herr Doktor.«
Er lächelte befangen und sagte: »Allerdings, und Sie wissen ja auch, was diese Veränderung bedeutet. Ich komme, um Abschied zu nehmen, denn ich übersiedele dieser Tage nach meinem kleinen Gute in Tirol.«
»Sie haben Güter in Tirol? Davon wußten wir ja gar nichts.«
»O, es ist nur ein Garten und Weinberg, und gehört mir erst seit einer Woche. Sie haben die große Güte gehabt, sich um mein Vorhaben und Ergehen zu kümmern, darum glaube ich Ihnen darüber Rechenschaft schuldig zu sein. Oder darf ich nun auf jene liebe Teilnahme nicht mehr rechnen?«
Agnes Weinland zog die Brauen zusammen und sah ihn an.
»Ihr Ergehen,« sagte sie leise und klar, »hat mich interessiert, so lange ich so etwas wie einen tätigen Anteil daran nehmen konnte. Für die Versuche mit Tolstoischer Lebensweise, die Sie vorhaben, kann ich aber leider nur wenig Interesse aufbringen.«
»Seien Sie nicht zu strenge!« sagte er bittend. »Aber wie Sie auch von mir denken mögen, Fräulein Agnes, ich werde Sie nicht vergessen können, und ich hoffe von Herzen, Sie werden mir das, was ich tue, verzeihen, sobald Sie mich hierin ganz verstehen.«
»O, zu verzeihen habe ich Ihnen nichts.«
Berthold beugte sich vor und fragte leise: »Und wenn wir beide guten Willens wären, glauben Sie nicht, daß Sie dann vielleicht diesen Weg mit mir gemeinsam gehen könnten?«