In den Weitfahrten stehen die Franzosen obenan.

Gelegentlich der Ballonwettfahrten im Jahre 1900 fand am 12. August die erste Weitfahrt statt, wobei sieben Ballons starteten. Sieger wurde Juchmès mit dem Ballon »Touring-Club«, zweiter: Graf Castillon de St. Victor. Dadurch, daß der Wind in der Richtung zum Atlantischen Ozean wehte, wurde den Fahrten ein vorzeitiges Ziel gesetzt.

Am 9. September 1900 fand die zweite Weitfahrt statt, bei der 14 Ballons starteten. Sieger wurde Graf de La Vaulx, der 473 km in 22 Stunden zurücklegte. Zweiter wurde Balsan, Dritter: Faure.

Fig. 18. Blick aus 200 Meter Höhe von einem auffahrenden Ballon aus auf den Auffahrtsplatz, wo noch 8 gefüllte Ballons zur Fahrt bereit stehen.

Am 30. September 1900 erfolgte wieder eine Weitfahrt, an der zehn Ballons teilnahmen, eine Konkurrenz, welche in Bezug auf die allgemeine Durchschnittsleistung ein großartiges Resultat ergab. Diese Ballons landeten nämlich in Rußland, in Preußen, in Russisch-Polen, in Schleswig-Holstein, in Holland und in Westfalen. Balsan kam nach Danzig, Graf de La Vaulx nach Rußland, nur Contour landete in ganz entgegengesetzter Richtung, in Hâvre, was auf die in verschiedenen Höhen verschieden wehenden Winde weist — eine Erscheinung, mit welcher der wissenschaftlich gebildete Luftschiffer rechnet.

Bei der kombinierten Weit- und Dauerfahrt vom 9. September überflog Graf de La Vaulx in 35 Stunden 45 Minuten von Paris aus ganz Deutschland seiner geographischen Länge nach und landete in Kiew. Er legte die 1925 km lange Linie in 35 Stunden 45 Minuten zurück, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 Stundenkilometern oder 11·4 m per Sekunde entspricht. Über diese hochinteressante Fahrt des Ballons »Centaure« und die seines nächsten Konkurrenten des »Saint Louis«, geführt von Jacques Balsan, der in 27 Stunden 15 Minuten 1350 km zurücklegte, werden folgende interessante Daten berichtet:

Das verwitterte Logbuch des »Centaure« zeigt in den Eintragungen dieser Fahrt als größte Höhe 5200 m, als niedrigste Temperatur 24 Zentigrade unter Null. 24 Stunden nach der Auffahrt brechen die Notierungen ab; eine von Graf de La Vaulx und Graf Castillon unterschriebene Bemerkung sagt, daß die beiden Aëronauten die Aufzeichnungen wegen der arktischen Kälte und des Schlafbedürfnisses nicht mehr fortsetzen können. Mehrere Male erhob sich der Ballon auf 5000 m. Jedesmal, wenn 4000 m erreicht waren, begannen die Luftschiffer Sauerstoff zu inhalieren, wovon sie einen ziemlichen Vorrat mitgenommen hatten. Nach 35 3/4 Stunden ununterbrochenen Wachens entschlossen sie sich zu landen, obwohl sie noch 2 1/2 Säcke Ballast und viel Proviant besaßen. Sie hätten außer den 2 1/2 Säcken Sand auch Seile und andere schwere Gegenstände auswerfen und auf diese Weise weiterfahren können. Sie waren aber begreiflicherweise durch die lange, anstrengende Fahrt ganz erschöpft und beendeten darum ihre Reise. Sie landeten glücklich drei Werst von Korostischew.

Der »Centaure« hatte infolge seiner partiellen Füllung mit Wasserstoff (1400 m3 Wasserstoff, 200 m3 Leuchtgas) eine große Hubkraft, nämlich 1680 kg; dadurch ist es den Aëronauten möglich gewesen, 1100 kg Ballast mitzunehmen, während Jacques Balsans Ballon »Saint-Louis« (3000 m3), welcher viel größer ist als der »Centaure« (1630 m3), aber mit Leuchtgas gefüllt war, eine Tragkraft von 2100 kg besaß und nur 1120 kg hochnehmen konnte. Der »Saint-Louis« hat also im Verhältnis bedeutend weniger Ballast mitgenommen als der »Centaure« und man muß diesen Umstand zur Beurteilung von Balsans Leistung mit in Rechnung ziehen.

Von der Fahrt des »Saint-Louis« erzählt Louis Godard, Balsans Begleiter, Folgendes: