Mit klingendem Schwingenschlage schwang sich ein Ringeltäuber in die Eiche und sang sein dunkles Lied: »Du, du, du, du, du,« hörte Holde Rotermund heraus, und dasselbe dachte ihr Herz.

Es dachten noch mehr Leute an den Fremdling, vor allem Doktor Hellweger. Er kegelte mit dem Amtsrichter, dem Lehrer, dem Pastor aus Deipenwohle und dem Oberförster. Was er tat, der dicke Doktor, das tat er ganz; aber heute war er nicht bei der Sache. Noch nie hatte er so viele Pudel geschoben.

Gedankenlos sah er der Kugel nach, sah alle Kegel außer dem ersten fallen, und anstatt, wie er sonst tat, wenn er gut warf, das Lied vom gerechten Heuschreck zu pfeifen, sah er in die Luft, als die Kegeljungen sangen: »Acht und acht ums Vordereck, ist so rar wie Ziegenspeck.« Er mußte immer daran denken, wo er den Landstreicher schon einmal gesehen hatte.

In diesem Augenblicke ging der Gendarm vorüber. Der Amtsrichter, dem der Arzt seine Begegnung mit dem fremden Manne erzählt hatte, rief den Beamten heran: »Schenken Sie sich ein Glas Bier ein, Herr Wachtmeister. Sagen Sie, wie hießen denn die beiden Leute, die Fräulein Rotermund zum Kruge trugen; oder haben Sie sich die Namen nicht angemerkt?«

Köllner zog sein Taschenbuch hervor: »Doch, Herr Amtsrichter, hinterher fiel es mir ein, daß ich das über der Aufregung ganz vergessen hatte, und ich ritt ihnen nach. Der eine, der ohne Schmisse, ist ein ehemaliger Knecht namens Ruloff Ramaker; der andere heißt Lüder Volkmann und sagte, er wäre früher Schriftsteller gewesen und sei kürzlich von Amerika zurückgekommen. Ich mochte ihn nicht dem Amtsgerichte zuführen; er sah nicht so aus, als ob er irgendwie verdächtig wäre, und der andere auch nicht; der hatte übrigens Papiere.«

»Volkmann, Volkmann?« murmelte der Amtsrichter; »das ist ja ein hiesiger Name; und Lüder? wenn die Angabe stimmt, dann ist der Mann ja der Erbe von dem Hilgenhofe. Vielleicht weiß er das noch gar nicht. Wissen Sie was, Herr Wachtmeister? Stecken Sie sich das Amtsblatt mit dem Aufrufe ein, in dem Lüder Volkmann aufgefordert wird, sich zu melden. Vielleicht treffen Sie ihn noch einmal bei Ihren Dienstritten und können dem Mann zu seinem Eigentum verhelfen. Wie der Herr Doktor sagt, hat er ja einen sehr guten Eindruck gemacht trotz der abgerissenen Kleidung und auf Sie auch. Lüder Volkmann! Es ist mir, als ob ich den Namen sonst schon gehört hätte.«

Wie gewöhnlich, setzten sich die Kegelfreunde noch eine Weile in das Vereinszimmer. »Wie sah der Fremde aus?« fragte Pastor Meyer den Arzt, und als der die Beschreibung gegeben hatte, sagte der Pastor: »Dann stimmt das. Meine Frau kam gestern nach Hause und erzählte: denke dir nur, Karl, bei der neuen Mühle begegnen mir zwei arme Reisende; der eine hatte Schmisse und sah aus, wie Armin der Cherusker in Zivil. Das ist augenscheinlich dieser Mann gewesen. Wie mag der auf die Walze gekommen sein?«

Sonst ging es nach dem Kegeln immer lustig her; der Arzt hatte einen trockenen Humor und der Amtsrichter lachte gern; dieses Mal kam aber so recht keine Stimmung auf. Sie dachten alle an Lüder Volkmann, den Landstreicher.

Am meisten beschäftigte sich Doktor Hellweger mit ihm. »Wo habe ich das Gesicht doch schon gesehen?« dachte er in einem fort, als er in seinem Wagen durch die Abendhaide fuhr, in der die Himmelsziegen meckerten und die Mooreulen riefen.