Mit Freuden würde er sein Leben unter ihre Füße legen, und seinen ehrlichen Namen, hätte er noch einen, und kein Dankeswort würde er dafür begehren. Seine Liebe schwang sich über den Wald und über das Moor und flog zu dem Hause, in dem ihre Stimme klang.
Ernst klang sie und Pfarrer Behrmann machte ein ganz unglückliches Gesicht und rauchte, wie unklug vor Aufregung seine lange Pfeife. »Nein, lieber Ohm,« sprach seine Nichte, »nein, ich liebe ihn nicht. Ich war ein Kind, als ich mich mit ihm verlobte. Ein Leutnant, ein hübscher Leutnant, du lieber Himmel, ich war so selig, wie damals, als ich die Schreipuppe zum Weihnachtsfeste bekam, als ich zum ersten Male mit ihm über die Straße ging.
Aber weißt du, liebes Öhmchen, ich mochte eigentlich nie, daß er mich küßte. Jaja, ich weiß, was du sagen willst, aber du gehst irre, wenn du glaubst, die Ehe würde die Liebe vertiefen. Das Gegenteil wird der Fall sein. Bedenke: ich bin nicht adelig, habe nur ein kleines Vermögen; ich kann dir sagen, die Sammetaugen der schönen Panna Zollin, geborene von Mielczewska, waren kalt wie Eis, als ich ihr die Hand küßte.
Und Wladslaw? Er liebt das an mir, was am wenigsten Wert ist; mein Inneres versteht er nicht. Sein Gott ist die Gesellschaft, seine Moral das Herkommen. Er ist klug, aber ich glaube, er hat ein unterernährtes Herz. Es wird ihm wohl nicht abwelken, wenn er morgen meinen Brief liest, und seiner Laufbahn wird die Aufhebung des Verlöbnisses auch nicht schaden, eher nützt sie ihm bei Hofe.«
Sie gab dem alten Herrn einen Kuß auf die faltenreiche Backe und ging in den Garten.
In dem Wirrwarr des Bocksdornbusches in der Mauerecke saß der Goldammer und sang seine Weise, die man auf Lust und auf Leid deuten konnte.
Holdes helle Augen beschatteten sich; sie dachte an den fremden Mann im schäbigen Rock, an das stolze Gesicht unter dem abgetragenen Lodenhut, an die Stimme, so rund und so voll, wie ferner Täuberruf, an die großen, schönen, braunen, langfingrigen Hände, die so sicher und so zart zufaßten.
Ihr ganzes Leben lang würde sie an diesen Mann denken müssen, und niemals würde sie es sich verzeihen, daß er gegangen war, ohne daß sie ihm dankend die Hand gedrückt hatte.
Sie fühlte, wie ihr Gesicht aufflammte; von diesem Manne würde sie sich gern auf den Mund küssen lassen, ohne zu fragen: wer bist du und was geschah dir, daß auf deinen Schuhen der Staub der Landstraße liegt?
Sie hatte ihm mehr zu danken, als die Hilfe, die er ihr brachte; er hatte ihre Seele gerettet. Wäre er ihr nicht entgegengetreten, so hätte sie wohl nicht den Mut gefunden, den goldenen Reif von ihrer Linken zu streifen, der sie dem Manne eignete, vor dem ihre Seele sich verkrochen hatte, wenn sie seine Stimme hörte.