In der Nacht hatten die beiden Männer in der Ochsenhütte vor dem Bruche geschlafen; Volkmann hatte bis gegen Mitternacht vor der Türe gesessen und dem Brummen der Rohrdommel und dem Meckern der Himmelsziege zugehört. Er schlief noch, als der Vormorgen kam, und als Ramaker wach wurde, hörte er, wie der andere stöhnte und murmelte, und er sah, wie er sich hin und her warf.
Nun lag er mit dunklem Gesicht da und lächelte kein bißchen, als zwei verliebte Eichkatzen auf dem Knüppeldamm hin und her sprangen, fauchten und schnalzten und auf alberne Art mit den Schwänzen wippten.
Sein Blick bekam noch nicht einmal Leben, als aus dem Unterholze der Schwarzstorch heraustrat; wie Flammen leuchtete der Schnabel und wie Edelerz funkelte das Gefieder, als er in die Sonne kam.
Volkmanns Stirn wurde noch krauser, als er den Waldstorch sah. Er erblickte ein Gleichnis in ihm. Ein adelig Tier war es, stolz und schön, alter deutscher Urwaldheimlichkeit letztes Vermächtnis, und in Acht und Aberacht erklärt von einer herzlosen, seelenarmen Zeit, die es ihm, dem Adewar, dem Otternwehrer, nicht vergab, daß er die Forelle und den Junghasen nicht verschmähte.
Kerle, die sich Jäger nannten, aber zu der Schinderzunft gehören müßten, knallen das vornehme Geflügel nieder, wann und wo sie es antreffen, Leute, die statt des Herzens eine Geldbörse im Leibe haben.
Ruloff machte eine hastige Bewegung, als der Waldstorch aus dem Gebüsch trat; drei Sprünge tat der Vogel, schwang sein Gefieder und verschwand. »Was war das?« fragte Ruloff seinen Genossen; »solch ein Tier habe ich meinen Tag noch nicht gesehen!«
Dumpf klang Volkmanns Antwort: »Der schwarze Storch«, denn er dachte grade daran, daß er selber auch in Acht und Aberacht war, wie jener Vogel, und nur, weil er das Gesetz in seiner Brust über das papierne Recht gestellt hatte.
»Das Leben ist eine traurige Posse für ernste Menschen«, dachte er; das Weib, das er schützte, indem er seinen ehrlichen Namen auf den Richtblock legte, war nicht wert gewesen, daß er ihretwegen ein Fingerglied opferte; aber damals hatte er sie geliebt, weil sie das matte Spiegelbild jener schönen Frau war, der sein junges Herz entgegengeblüht hatte.
Und die war wieder nur ein Vorspuk der Tausendschönen gewesen, deren Stimme gestern sein Herz gerührt hatte. Wie sie wohl gerufen wurde? Ein Name mußte es sein, wie die hellichte Morgensonne, warm und voller Kraft.