Draußen gingen Schritte, die Tür klinkte auf und der Jäger trat herein. Er bot die Tageszeit und sagte: »Nordhoff, gebt mir schnell eine Flasche Bier; ich bin ganz dröge im Halse. Es ist doch ein Ende hin vom Donnermoore bis hierher. Und heute will ich durchschlafen; habe jetzt drei Nächte wegen der Birkhähne um die Ohren geschlagen. Sieh, da ist ja auch der Vorsteher! Guten Abend, Garberding! Freimut läßt grüßen; er schimpfte Mord und Brand, daß er nicht mitkonnte, aber er hat viel zu tun und morgen eine Verteidigung in einer schweren Sache. Na, die Sache mit Engelkens Apfelbäumen können wir beide ja auch abmachen.«
Während er aß, besprach er mit dem Vorsteher, wieviel der Anbauer Engelke wohl für den Schaden haben müsse, den die Hasen ihm im Nachwinter gemacht hatten, und dann ging er in seine Schlafkammer.
Da trat Volkmann an den Vorsteher heran: »Ich würde Sie gern in einer Sache sprechen, wenn Sie Zeit haben.« Vollmeier Garberding sah ihn an und nickte.
»Dann geh du man in die Kammer, Ruloff«, sagte Volkmann, »und wenn Sie es nicht übelnehmen, Herr Wirt, am liebsten wäre es mir, wenn ich dem Herrn Vorsteher meine Angelegenheit unter vier Augen vortragen könnte.«
Als er allein mit Garberding war, nannte er seinen Namen. Der Vorsteher sah ihn groß an: »Dann gehört Ihnen ja der Hilgenhof.« Der andere nickte und erzählte, wie es ihm gegangen war, denn der Vorsteher, das sah er dem langen hageren Mann am Gesichte an, war ein Mensch, der das nicht weiter herumbrachte. So schlug er denn die Hauptstellen aus seinem Lebensbuch vor ihm auf.
Der Vorsteher verzog keine Miene, aber als Volkmann das Buch zuschlug, gab er ihm die Hand und sagte: »Daß Sie kein schlechter Mann sind, weiß ich von Ihrem Oheim, der mir Ihre Sache seinerzeit verklarte, als in den Zeitungen darüber geschrieben wurde. Nun Ihnen der Hof auf dem Hilgenberge zu eigen ist, gehören Sie zu uns, denn der Hof gehört noch zu Reethagen. Das meiste Land hatte der alte Volkmann verpachtet; es ist in guten Händen; für sich hatte er bloß so viel zurückbehalten, als er Bedarf dafür hatte. Nach alle dem, was Sie mir erzählten, glaube ich, daß Sie mit der Zeit selber den Bauern spielen können. Ich glaube auch, daß Sie dadurch am besten von Ihren Gedanken abkommen.«
Er sah Volkmann an und fuhr fort: »Die anderen brauchen von Ihrem Vorleben nichts zu wissen; kommt es später rund und haben Sie Verdruß davon, dann wenden Sie sich nur an mich. Klatschen und Neidböcke wachsen auf jedem Boden, aber die mehrsten Leute hier sind anständiger Art. Wenn Sie sich in die hiesige Art schicken und sich zu den Leuten zu stellen wissen, fragt kein einer danach, was Ihnen draußen zugestoßen ist.
So, eins noch: Das meiste Bargeld hat der alte Volkmann für Stiftungen hingegeben; der Rest, der Ihnen zugeschrieben ist, liegt auf dem Amte. Sie werden doch noch jemanden haben, der Sie als Erbberechtigten ausweisen kann? Da Sie ja keine Papiere haben, ist das das nächste, was Sie tun müssen. Morgen früh bei Klocke achte will ich mit Ihnen nach dem Hilgenhofe gehen. Und nun: Gute Nacht; lassen Sie sich was Schönes träumen.«
Er stand auf und gab Volkmann die Hand. In der Türe drehte er sich noch um: »Unter uns: Das halbe Haus ist vermietet, aber da ist doch noch Platz genug für Sie. Die eine Hälfte hat der Pächter und die, wo Ihr Ohm lebte, hat seine Haushältersche, eine Frau Grimpe, ein ganz tüchtiges Frauenzimmer, die auf Hochzeiten und so als Köksche ihren Mann steht.«