Er biß an seiner Zigarre herum: »Ob es das Richtige ist, daß Sie mit ihr zusammenleben, das ist eine andere Sache. Die Frau ist nicht von hier; sie soll alles mögliche gewesen sein, wird erzählt. Hier hält sie sich ganz anständig, aber immerhin, für ganz voll wird sie nicht genommen. Dem alten Volkmann hat sie zwei Jahre die Wirtschaft geführt, aber das war ein alter Mann. Na, es ist ja Ihre Sache, wie Sie sich zu ihr stellen. Also: bis morgen.«
Als Ramaker und Volkmann in dem breiten Bette in der Fremdendönze lagen, sagte Ramaker: »So ein Bett, das ist doch etwas Gutes!« und Volkmann erwiderte: »Na, du kannst ja nun immer in einem richtigen Bette schlafen.«
Er hatte es sich vorgenommen, den Mann zu behalten. Er war ein Bauernknecht aus der Grafschaft Bentheim; Lüder hatte ihn wintertags im Emsemoore angetroffen, als der Mann, der halb verhungert und ganz ausgefroren war, sich grade aufhängen wollte, hatte ihm zu essen gegeben und ihm die dummen Gedanken aus dem Kopfe geredet, denn Ramaker war das Leben leid geworden, weil er nirgends in Arbeit behalten wurde.
Er hatte nämlich in der Trunkenheit einen Totschlag begangen, mehr aus Zufall, denn aus Absicht, aber durch die Zeugenaussagen wurde der Fall so gedreht, daß er mehrere Jahre bekam. Das hing ihm überall nach.
Nun aber hatte die Not ein Ende: »Bauer,« sagte er zu Volkmann, »du sollst sehen, wie ich arbeiten kann; ich sage dir, wenn ich erst den Pflugsterz in der Hand habe, kennst du mich nicht wieder. Nein, so ein Glück, so ein Glück!« hatte er noch im Halbschlafe gemurmelt.
Lüder Volkmann lag noch lange wach. Er hatte erst keine große Lust, den Hof zu behalten; er dachte, er wollte ihn verkaufen und mit Ramaker zusammen in Südafrika anfangen, denn er wußte, selbst hier hinten in der Haide würde er doch ab und an gegen seine Vergangenheit anlaufen.
Anderseits: der Haidhunger, der ihn aus Kanada forttrieb, der würde sich auch in Afrika neben ihn stellen; er stammte aus der Haide, wenn auch sein Vater und sein Ahne Stadtleute gewesen waren. Was man ein Leben nennen konnte, gab es für ihn nur in der Haide; nur, wenn er früher in seiner Haidjagd waidwerkte und Pürschstiege schlug und Kanzeln baute, hatte er sich wohl gefühlt; in der Stadt war er sich eigentlich immer albern vorgekommen zwischen dem lauten, unruhigen Volk, das sich wie die Spatzen benahm: immer in hellen Haufen und ständig den Schnabel offen.
Draußen rief das Käuzchen; Lüder schien es im Anschlafe, als riefe es: »Bliw hier, bliw hier!«